Auf den Spuren der Kaffeebohne

Der weltweit 8. größte Kaffeeproduzent ist gleichzeitig die Heimat der Arabica Bohne, die von dort aus ihren Siegeszug antrat. Als prägender Kaffeeanbauer Afrikas ist Äthiopien für seine vielschichtigen und handverlesenen Bohnen berühmt.

Kaffee aus Äthiopien

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Kaffee aus Äthiopien

Äthiopien ist das Urland des Kaffees. Viele Legenden und Mythen ranken sich hier rund um das schwarze Gold, das einen so großen Anteil am Export und der Wirtschaft des afrikanischen Staates hat. Kein Wunder, denn stolze 13 Monate Sonnenschein genießt der Kaffee hier in einem Jahr - der äthiopische Kalender kennt einen Monat mehr als der, der westlichen Welt. Obwohl sich Äthiopien weltweiter Konkurrenz im Anbau von Kaffee ausgesetzt sieht, konnte das Land seine Exporte jährlich steigern und erfreulicherweise auch seine Produktionsrate stetig verbessern. Dies beschert dem Land heute einen guten 8. Platz im weltweiten Kaffee-Produzenten-Ranking, das im Übrigen von Brasilien angeführt wird.

In Äthiopien wird überwiegend Arabica angebaut. Die Kaffeebohnen werden hier von Hand gepflückt und im Anschluss in direktem Sonnenschein getrocknet, bevor sie mechanisch sortiert und verschifft werden. Zu den Hauptabnehmern gehören Deutschland, Saud Arabien, Belgien, Frankreich und die USA. Die Kaffeebohnen eignen sich für die unterschiedlichsten Kaffee-Arten. Besonders als Espresso sind die vollmundigen Arabica sehr beliebt.

Die Kaffee-Geschichte Äthiopiens

In kaum einem anderen Land der Erde ist Kaffee so geschichtsträchtig, wie in Äthiopien. Kein Wunder, so gilt der afrikanische Staat als Urheimat der Kaffeepflanze. Verschiedene Legenden berichten darüber, wie aus den Früchten der Pflanze ein Genussmittel wurde, das heute auf der ganzen Welt konsumiert wird. Schriftlich überlieferte Dokumente, welche die tatsächlich Entdeckung belegen, existieren jedoch nicht. Dennoch sind es vor allem zwei Mythen, die in Äthiopien von Generation zu Generation erzählt werden.

Der ersten Legende zufolge war es ein junger Ziegenhirte, der seltsames Verhalten bei seinen Tieren bemerkte, nachdem sie die Blüten und Früchte des Kaffeebaums fraßen. Als der Hirte im Anschluss selbst vom Arabica-Baum naschte, konnte er der Frucht nichts Positives abgewinnen und spuckte sie in ein Feuer. Nun entfaltete sich erstmals das köstliche Aroma frisch gerösteten Kaffees. Wird einer anderen Überlieferung Glauben geschenkt, waren es Mönche, die erstmals das köstliche Getränk entdeckten. Auch hier sind es Hirten gewesen, die den Mönchen vom Verhalten ihrer Tiere berichteten, nachdem diese an einem Kaffeebaum naschten. Nach ersten Verkostungen bemerkten die Mönche schnell, dass Kaffee offensichtlich die Müdigkeit vertrieb. So konsumierten sie ihn regelmäßig, um in der Nacht beten zu können.

Lange Zeit galt äthiopischer Kaffee als einer der besten überhaupt. Insbesondere die Sorte Harrar war für ihren vollmundigen Geschmack berühmt. Der "goldenen Kaffeezeit" wurde jedoch mit Beginn der Revolution im Jahr 1974 ein jähes Ende bereitet. Für 17 Jahre litt der Staat unter einer brutalen, kommunistischen Herrschaft, die den Anbau nahezu komplett zum Erliegen brachte. Erst mit der Industrialisierung des Landes in den 1990er Jahren und der Liberalisierung des Marktes begann der Kaffeehandel in Äthiopien wieder zu florieren. Umso erstaunlicher scheint es, dass Äthiopien heute 5 Prozent der deutschen Kaffee-Importe liefert.

Kaffeeanbau in Äthiopien

Äthiopien erreicht im Jahr 2014 eine stolze Kaffee-Exportmenge von 3100 60Kg-Säcken Arabica - Platz 8 im weltweiten Ranking. Produziert wird diese Menge überwiegend von kleineren Plantagen, die etwa für 90 Prozent des Arabica Exports verantwortlich sind. Die restlichen 10 Prozent werden von staatlichen Betrieben geliefert. Die exakte Fläche dieser beiden Plantagenarten kann jedoch nur schwer bestimmt werden, wird jedoch auf insgesamt über 320.000 Hektar geschätzt. Besonders beachtlich: Circa 35 Prozent der, im Inland produzierten, Kaffeemenge wird von der äthiopischen Bevölkerung selbst konsumiert. Der Artenvielfalt sind hier jedoch Grenzen gesetzt. Spezielle Ausführungen, beispielsweise Espresso, werden hier nicht getrunken.

Von der Ernte bis zum Verkauf - die Reise der äthiopischen Kaffeebohne

Hat die Kaffeekirsche erst einmal ihre typisch rote Farbe erreicht, wird sie binnen zwei Tagen geerntet. Im Anschluss muss die Bohne zum Entpulpen gebracht werden. Je nachdem ob ländlicher oder städtischer Betrieb, muss dieser Vorgang entweder von Hand oder bei einer benachbarten Kaffeewäscherei erfolgen. Letzteres bietet einen entscheidenden Vorteil: Für gewaschenen Kaffee lassen sich deutlich höhere Preise verlangt. Nach der Entpulpung erfolgt die Trocknung der Beeren. Circa 6 Tage müssen hier in Anspruch genommen werden, bevor eine Aussortierung schlechter Bohnen erfolgen kann. Zuletzt werden die Kaffeebohnen in Säcke gefüllt, auf Lkws verladen und zu Auktionen verbracht.

Die Auktionen selbst finden entweder in Addis Abeda oder Dire Dawa statt. Hier werden die Bohnen an verschiedene Exportunternehmen zum Höchstpreis veräußert. Die Versteigerung erfolgt unter staatlicher Aufsicht und wird von einem Regierungsvertreter durchgeführt.

Die äthiopische Kaffee-Kultur

Die Kaffeezeremonie spielt eine wichtige Rolle in der äthiopischen Bevölkerung. In ländlichen Regionen treffen sich die Familien bis zu drei Mal pro Tag, um gemeinsam das schwarze Heißgetränk zu konsumieren. Eine Einladung zu einer solchen Zeremonie gilt in Äthiopien als Zeichen der Anerkennung und des Respekts.

Wer sich der Zeremonie anschließen möchte, sollte vor allem eines mitbringen: Zeit. Diese kann nämlich bis zu eine Stunde in Anspruch nehmen. In großen, flachen Pfannen werden die Bohnen zunächst über einem kleinen Feuer geröstet. Die Haut wird hierbei durch das Bewegen der Pfanne problemlos gelöst. Nachdem die Bohnen ihre typisch schwarze Farbe erreicht haben, werden sie mithilfe eines Mörsers zermalen, bis feines Kaffeemehl entsteht. Dieses wird in eine sogenannte "Jebena", ein Tongefäß mit kugelförmigem Bauch, gefüllt und mit heißem Wasser vermischt. Der Kaffee selbst wird nach dem Kochen in kleinen Porzellanschalen serviert.

Besondere Kaffee-Sorten

Als "Urheimat" des Kaffees wird von Äthiopien selbstverständlich eine besondere Kaffee-Qualität erwartet. Diesen Anforderungen scheint das Land jedoch spielend gerecht zu werden, denn äthiopischer Kaffee wird weltweit wegen seines einzigartigen Geschmacks und seiner Unverwechselbarkeit geschätzt. In den Anbaugebieten Gimbi, Harrar, Limu und Sidamo werden die Rohkaffeebohnen nicht nur getrocknet, sondern auch in feuchtem Zustand exportiert - typisch für afrikanische Länder.

Besonders berühmt ist der Harrar Kaffee. Hier werden die Kirschen wahlweise unter direkter Sonneneinstrahlung getrocknet oder verbleiben am Strauch, bis sie verdorrt sind. Feinschmecker schätzen das leichte, fruchtige und süßliche Aroma des Harrar, der aufgrund seines eigentümlichen Geschmacks ohne Zweifel einzigartig ist. Die Sorten Gimbi und Sidamo sind hingegen deutlich rauer im Geschmack. Wer den absoluten Gourmet-Kaffee erleben möchte, sollte Rohkaffee aus der Region Yirgacheffe probieren. Dieser wird auch als "Königskaffee" bezeichnet und vor allem wegen seiner floralen Zitrus-Aromen geschätzt. Zudem ist die Kaffeesorte wegen ihres ausbalancierten Säureverhältnisses gut bekömmlich.

Die Kaffee-Charaktere im Überblick:

  • Sidamo: süß
  • Yirga Cheffe: blumig, würzig
  • Limu: wenig Lekempti: fruchtig
  • Harrar: echter Mokka

Jeder Kaffee, der Äthiopien verlässt, wird von einer staatlichen Institution nach diesen fünf Charakteren eingeteilt. Unabhängig von der Herkunft bzw. des Anbaugebiets, erfolgt die Einteilung ausschließlich nach dem Geschmack. Wird ein süßlicher Kaffee also als "Sidamo" beschrieben, muss dies nicht bedeuten, dass er auch in dieser Region angebaut wurde. Zusätzlich werden die Kaffeebohnen, je nach Qualität, in die Grade 1 bis 5 eingestuft, wobei nur sonnengetrocknete Sorten die höchsten Grade, 4 und 5, erreichen können.

Auch dem Bio-Kaffee wird in Äthiopien eine immer größere Bedeutung beigemessen. Landwirte werden durch die Regierung ermutigt, biologischen Kaffee zu bewirtschaften, um die Qualität im internationalen Vergleich nochmals zu steiger. Pestizide kommen daher überhaupt nicht zu Einsatz, Düngemittel und Fungizide hingegen werden nach wie vor eingesetzt.

Interessante Zahlen und Fakten

  1. Äthiopien besitzt circa 500.000 Hektar Fläche, auf der Kaffeeanbau stattfindet. Platz 7 im weltweiten Vergleich. Führend ist hier Brasilien mit über 2 Millionen Hektar.
  2. Die Erntemenge in Äthiopien ist extrem vom wetterabhängig. Große Einbrüche in einem Jahr sind daher keine Seltenheit. So konnte das Land beispielsweise von 2009 auf 2010 die Erntemenge um sensationelle 40 Prozent steigern.
  3. Äthiopien besitzt einen Weltmarktanteil von 5,6 Prozent. Auch hier führt Brasilien mit einem Anteil von 35,1 Prozent.