Fair Trade Kaffee

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Für eine bessere Welt: Fairtrade-Kaffee

Wem nutzt Fairtrade?

Kaffee ist eines der wichtigsten Handelsgüter weltweit. Zwar nimmt er als Genussmittel im Gesamthandelsvolumen der meisten importierenden Länder keine herausragende Stellung ein. Er dominiert aber den Warenexport vieler Kaffee-produzierender Länder. Einnahmen aus der Kaffeeproduktion sind daher von großer Bedeutung nicht nur für die Kaffeebauern, sondern für die Lebensverhältnisse aller Menschen in diesen Regionen.



Nach wie vor können aber exportierende Länder die Preise, die sie für ihren Rohkaffee erzielen, kaum beeinflussen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Die wichtigsten sind:

  • Nur drei große Handelsorganisationen wickeln rund 50% des gesamten Welthandels mit Kaffee ab. Sie verfügen damit über eine für Kaffee-Produzenten erdrückende Marktmacht.
  • Zwischen 70 und 80 Prozent des weltweit angebauten Kaffees stammen von bäuerlichen Klein- und Familienbetrieben. Diese Kleinbauern stehen im intensiven Wettbewerb untereinander. Gleichzeitig fehlen ihnen eine starke Lobby und ausreichender Zugang zu Ressourcen und Kapital.
  • Kaffeepreise werden auf internationalen Börsen ausgehandelt und unterliegen zahlreichen global-wirtschaftlichen Einflussfaktoren. Dazu zählen beispielsweise der Klimawandel, großflächig auftretende Pflanzenkrankheiten wie der Kaffeerost, weltweit steigende oder sinkende Transportkosten oder Währungsturbulenzen. Auch diesen Entwicklungen stehen die Bauern weitgehend machtlos gegenüber.

Kaffeebohnen Vollautomaten

Fairtrade International und zahlreiche nationale Initiativen und Organisationen arbeiten daran, die Position der Kaffeebauern gegenüber ihren Zulieferern und Abnehmern zu stärken und ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Dabei signalisiert bereits das Wort „fair“, dass damit keine Wohltätigkeit als bedingungsloses Geben gemeint ist. Fair ist es vielmehr, wenn Händler und Verbraucher den wahren Wert anerkennen, den die Erzeuger mit ihrer harten Arbeit schaffen. Zudem unterstützen die von Fairtrade geförderten demokratischen Strukturen der Kooperativen Demokratiebewusstsein und Demokratieverständnis in den Anbauländern. Und nicht zuletzt verbessern die umgesetzten Maßnahmen auch die Umweltbilanz des Kaffeeanbaus und steigern die Erträge.

Daher profitieren von Fairtrade neben den Kleinbauern auch Natur und Umwelt, die gesamte Bevölkerung der Kaffee-produzierenden Regionen, Liebhaber von exzellentem Kaffee und Espresso und alle Menschen, denen ein verantwortlicher Umgang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen am Herzen liegen.

Die Fairtrade-Standards

Die Ziele von Fairtrade werden durch strikte Standards erreicht, zu deren Einhaltung sich jeder zertifizierte Betrieb verpflichtet. Zu diesen Standards zählen:

  • Zusammenschlüsse mehrerer Kleinbauern zu Kooperativen oder Organisationen, die ihren Kaffee gemeinsam zu den günstigeren Fairtrade-Bedingungen verkaufen demokratische Strukturen und politische Unabhängigkeit der Kooperativen
  • ein Verbot von Zwangsarbeit und ausbeuterischer Kinderarbeit
  • die nachhaltige Bewirtschaftung der Kaffeeanbauflächen mit Umweltstandards, die den Einsatz synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel begrenzen und Alternativen aufzeigen
  • einen von Fairtrade garantierten, festen Mindestpreis für den Rohkaffee, der Preiseinbrüche auf dem Weltmarkt abfedert (Steigt der Weltmarktpreis über den Mindestpreis, erhalten die Bauern den höheren Weltmarktpreis.)
  • bei Bedarf eine Vorfinanzierung der Ernte bis zu 60 Prozent des Verkaufspreises
  • eine zweckgebundene Fairtrade-Prämie, mit der die Kooperativen Projekte zur Qualitäts- und Produktivitätssteigerung sowie soziale und ökonomische Investitionen finanzieren
  • eine zusätzliche Prämie für biologisch angebauten Fairtrade-Kaffee (Obwohl Fairtrade auch konventionell angebauten Kaffee akzeptiert, motiviert die zusätzliche Prämie für Bio-Kaffee immer mehr Kaffeebauern zur Umstellung ihrer Produktion.)

Durch diese organisatorische und finanzielle Absicherung gewinnen die Bauern und ihre Familien

  • soziale und berufliche Sicherheit,
  • verlässliche Grundlagen für Investitionen und die Weiterentwicklung ihrer Betriebe,
  • bessere Konditionen bei Zulieferern und Partnern,
  • leichteren Zugang zu Krediten und Kapital,
  • Zugang zu Weiterbildung und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Kaffeeanbau und der Ernte.

So schaffen die Fairtrade-Standards eine stabile Existenzgrundlage und eine planbare Zukunft für zahllose Kleinbetriebe in Kaffee-produzierenden Ländern.

Verarbeitung von Fairtrade-Kaffee

Kaffeebauern beim Ernten

Die Fairtrade-Standards enthalten keine Vorschriften für die Verarbeitung von Kaffee. Es liegt jedoch auf der Hand, dass der im Fairtrade-Anbau erzeugte Rohkaffee ebenso verantwortungsvoll weiter verarbeitet werden sollte. Das beginnt bei der manuellen Ernte der Kaffeekirschen, bei der ausschließlich reife und einwandfreie Früchte gepflückt werden. So stellen die Kaffeebauern sicher, dass ihre Ernten nur Bohnen höchster Qualität enthalten. Erfahrene Röstmeister erschließen die Aromen des Rohkaffees in einer schonenden Langzeitröstung bei niedrigen Temperaturen. Kundige Kaffee-Kompositeure kreieren feinste Kaffee- und Espressomischungen aus den verschiedenen Sorten. Und die werden schließlich in Verpackungen konfektioniert, die das Aroma schützen und die Umwelt möglichst wenig belasten. Kaffeekenner, die diese Sorgfalt bei der Wahl ihres Lieblingskaffees mit einem minimal höheren Preis honorieren, unterstützen und fördern die Fairtrade-Idee mit jeder Tasse Kaffee.

Woher kommt Fairtrade-Kaffee?

Kaffeebauern beim Ernten

Zur Zeit arbeiten 730.000 Kleinbauern auf insgesamt 1 Million Hektar Anbaufläche nach Fairtrade-Standards. Die Erzeuger haben sich in ca. 450 Produzentenorganisationen in allen großen Kaffeeregionen der Welt zusammengeschlossen. Lateinamerika und die Karibik bilden derzeit einen Schwerpunkt; dort werden rund drei Viertel aller Erträge erzielt. Doch die Zahl der zertifizierten Betriebe wächst in aller Welt.

Auch heute schon ist nahezu jede Kaffee- oder Espressosorte aus jedem Anbaugebiet der Erde auch als Fairtrade-Kaffee erhältlich. Gleichgültig, woher die Bohnen stammen und ob sie sortenrein oder in feinen Blends angeboten werden: Das Zertifikat steht für Qualität und Geschmack.

Führt man sich jedoch vor Augen, dass Fairtrade-zertifizierte Betriebe bislang nur wenig mehr als 2% des gesamten, weltweiten Kaffeeexports erzeugen, zeigt sich, welch gigantisches Potenzial noch erschlossen werden kann.

Das Fairtrade-Siegel

In Deutschland wird das bekannte Fairtrade-Siegel durch TransFair vergeben. TransFair ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Köln und Teil des globalen Netzwerkes von Fairtrade International. Ausgezeichnet werden nur Produkte, die ausschließlich oder so weit wie möglich aus Fairtrade-zertifizierten Rohstoffen hergestellt werden. Kaffee, ein so genanntes Monoprodukt, besteht aus einem einzigen Rohstoff. Das Siegel garantiert daher, dass die Packung ausschließlich nach Fairtrade-Standards angebauten Kaffee enthält. Dagegen dürfen Mischprodukte wie Schokolade oder Eis auch nicht zertifizierte Zutaten enthalten, wenn diese Zutaten nicht in Fairtrade-Qualität auf dem Markt erhältlich sind.

Fairtrade-Kaffee – die Lösung aller Probleme?

Bedeutet das nun, dass Kaffeetrinker nichts falsch machen können, so lange sie nur einen Fairtrade-Kaffee wählen? Nicht ganz. Zwar können sie sicher sein, dass der zertifizierte Kaffee oder Espresso aus Plantagen stammt, in denen die Bauern unter zumindest akzeptablen Bedingungen arbeiten. Und sie wissen, dass Fairtrade International diesen Menschen einen fairen Anteil des Verkaufserlöses zur Entwicklung ihrer Betriebe und ihrer Gemeinschaften zur Verfügung stellt. Das Siegel wird jedoch auch für Kaffee vergeben, der nicht nach Bio-Richtlinien angebaut wurde. Es bewertet nicht die Umweltbelastungen durch den Transport. Es sagt nichts über eine mehr oder weniger schonende Röstung der Bohnen. Und am Ende entscheidet sich jeder Kaffeetrinker für einen Kaffee oder Espresso nach seinem individuellen Geschmack. Daher ist ein Fairtrade-Siegel kein Ersatz für eigenes Qualitätsbewusstsein. Es erleichtert Kaffeetrinkern aber die Orientierung und zeigt, mit welchen Kaffees sie deren Erzeuger direkt und vor Ort unterstützen können.