Eine aufregende Abwechslung für die Zukunft

Der Kaffeeanbau in Indien hat seine Produktion innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Sowohl bei Anbauern wie auch bei Konsumenten liegt der Kaffee im Trend da er im Vergleich zu lateinamerikanischen Kaffees sehr weich, säurearm und ausgewogen ist. Dafür zeigt sich die indische Monsun-Methode der Kaffeeaufbereitung verantwortlich.

Kaffee aus Indien

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Kaffee aus Indien

Mit einem mageren Anteil von 3,5 Prozent scheint Indien nur eine kleine Rolle in der weltweiten Kaffeeproduktion zu spielen. Auch die deutschen Importe fallen mit einem Anteil von 2 Prozent eher gering aus. Trotz dieser durchwachsenen Statistik wird indischer Kaffee vor allem aufgrund seines geringen Säuregehalts im Vergleich zu lateinamerikanische Sorten sehr geschätzt. Der Kaffee ist weich, ausgewogen und dennoch sehr kräftig in seinem Geschmack. Auch die indische Monsun-Methode, eine besondere Art der Kaffeeaufbereitung, ist für diesen einzigartigen Charakter verantwortlich.

Innerhalb der letzten Jahre konnte Indien seine Kaffeeproduktion durch Vergrößerung der Anbauflächen erheblich steigern und aufgrund verbesserter Erntemethoden den Ertrag nahezu verdoppeln. Auch die indische Bevölkerung hat das Getränk mittlerweile für sich entdeckt. In indischen Cafés, in welchen lange Zeit überwiegend Tee konsumiert wurde, finden sich immer häufiger auch Espresso und Co. auf der Karte. Sehr berühmt ist hier der Masala-Kaffee, der mit Zimt, Kardamom, braunem Zucker und Milch zubereitet wird.

Indischer Kaffee und seine Geschichte

Kaffee hat in Indien eine lange Geschichte und Tradition. Wie jedoch das schwarze Getränk nach Indien kam, ist nur aus Legenden abzuleiten.

Die berühmteste Legende besagt, dass ein junger Sufi mit dem Namen Baba Budan im frühen 17. Jahrhundert sieben Kaffeepflanzen von einer Pilgerfahrt nach Mekka mitbrachte. In einer Hafenstadt im Jemen hatte er die einzigartigen Pflanzen entdeckt und baute diese fortan in Indien selbst an. Die Kaffeekultur entwickelt sich im Verlauf der folgenden Jahre stetig weiter und erreichte ihren ersten Meilenstein, als im Süden des Landes der sogenannte indische Kaffee-Gürtel gegründet wurde. Hier sind bis heute viele Kaffeeplantagen zu finden, die überwiegend Robusta (ca. 60 Prozent), vereinzelt jedoch auch Arabica anbauen.

Auch die wohl berühmteste Eigenschaft des indischen Kaffees entstand bereits vor vielen Jahrzehnten: der einzigartige Geschmack des Monsun Kaffees. Lange vor der Industrialisierung des Landes wurden die Kaffeebohnen mittels Segelschiffen nach Europa überführt. Während der langen Überfahrt waren Sie folglich hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt und veränderten nicht nur ihre Farbe, sondern auch ihr Aroma. Ein Merkmal, das von Europäern schnell sehr geschätzt wurde. Um diesen Charakter auch nach Einführung dampfbetriebener Schiffe, die eine deutlich schnellere Überfahrt ermöglichten, nicht zu verlieren, setzten Kaffeebauern auf eine natürliche Methode, um den Feuchtigkeitsgehalt der Bohnen zu erhöhen: Den Monsun. In speziellen Lagerhallen wurde der Kaffee noch lange nach der Ernte unter direktem Monsun-Regen gelagert - das "Monsooning" war geboren.

Indische Anbaugebiete

Die besten Anbaugebiete für Kaffee liegen auch heute noch im indischen Süden, dem sogenannten Kaffee-Gürtel. Die meisten Kaffeeplantagen sind in den Staaten Karnataka, Tamil Nadu und Kerala zu finden. Hier wird vor allem Robusta-Kaffee angebaut, der die Hauptproduktion des Landes bestimmt.

Indien konnte seine Kaffeeproduktion in den letzten Jahren erheblich steigern und ist heute der fünftgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Nicht nur die Anbauflächen selbst wurden enorm vergrößert, was Indien im weltweiten Ranking den 8. Platz einbringt, auch der Ertrag von 826 Kg/Hektar wurde optimiert. Hier liegt das Land im Vergleich zu anderen Staaten jedoch nur auf Platz 24.

Monsooning - Regen für einen unvergleichlichen Geschmack

Wie das Monsooning entstanden ist, wurde bereits erklärt. Bis heute ist es indischen Kaffeebauern jedoch gelungen, dieses spezielle Verfahren zu perfektionieren. Nach der Kaffeeernte wird die Bohne in speziellen Lagerhäusern verwahrt und direkt dem Niederschlag und den extremen Winden eines Monsun ausgeliefert. Dadurch verändert der Rohkaffee nicht nur seine Farbe in leichtes Gelb, sondern auch seinen typischen Geschmackscharakter. Indischer Monsooned-Kaffee enthält sehr wenig Säure und ist extrem mild im Geschmack, beinahe leicht schokoladig. In Europa zunächst nicht akzeptiert, ist indischer Monsun-Kaffee heute vor allem unter Gourmets sehr beliebt.

Monsooned Malabar - Indiens schwarzes Gold

Unter Kaffeekennern ist der "Monsooned Malabar" längst bekannt. Nicht nur sein würziges Aroma, sondern auch seine Bekömmlichkeit machet diesen Kaffee zu einem echten Geheimtipp.

Der Malabar Kaffee besteht aus Arabica, die sorgfältig ausgewählt und nach der Klassifizierung "A grade" sortiert werden. Nun werden sie zunächst für fünf Tage unter direktem Monsunregen verwahrt und im Anschluss in Trockenhäusern in Schichten von bis zu 15 cm Dicke gelagert und durch Monsunwinde getrocknet. Dieser Vorgang nimmt weitere sieben Wochen in Anspruch. Malabar kann also als typisch indischer Monsooned-Kaffee bezeichnet werden.

Durch die aufwendige Prozedur nehmen die Arabicas viel Feuchtigkeit auf, sodass der Feuchtigkeitsgehalt auf bis zu 20 Prozent ansteigt. Die leicht gelblichen Kaffeebohnen werden nach der eigentlichen Trocknung in Jutesäcke verpackt, wo sie ein weiteres Mal durch Monsunwinde getrocknet werden. In regelmäßigen Abständen, circa 6 - 8 Tage, erfolgt eine Umschichtung der Bohnen in neue Säcke, um Schimmelpilzen vorzubeugen und einen gleichmäßigen Feuchtigkeitsgehalt zu erreichen. Nach weiteren zwei Wochen werden die einzelnen Bohnen erneut verlesen und nach Qualität sortiert. Ausschließlich die Kaffeebohnen, die einem hohen Qualitätsstandard gerecht werden, werden poliert und im Anschluss exportiert.

Die aufwendige Trocknung garantiert, dass Malabar Monsooned nahezu säurefrei ist und dadurch vor allem Kaffeetrinkern mit einem empfindlichen Magen größten Genuss bietet.

Interessante Zahlen und Fakten

  1. Im Jahr 2010 betrug der deutsche Import indischen Kaffees circa 2300 Tonnen, was einem Anteil von 2 Prozent des gesamten Imports entspricht.
  2. Die Gebirgszüge im Süden und Nordosten Indiens sind aufgrund von Klima und Vegetation die besten Anbaugebiete des Landes.
  3. Die Staaten Karnataka, Tamil Nadu und Kerala werden als indischer Kaffee-Gürtel bezeichnet.
  4. Die Region Malzbar zählt zu den wenigen Anbaugebieten der Welt, die direkt am Meer gelegen sind.
  5. Der Kaffeekonsum in Indien wächst stetig und schließt zum Tee-Konsum immer mehr auf. Im Jahr 2011 wurden 1,8 Millionen Rohsäcke á 60 Kg verkauft. Im Vergleich zu Deutschland jedoch eine verschwindend geringe Zahl. Hier waren es im gleichen Bezugszeitraum 9,5 Millionen Rohsäcke.
  6. In Indien wird überwiegend Robusta angebaut. Eine Ausnahme ist des Malabar Monsooned Kaffee, der aus Arabica-Bohnen gewonnen wird.