Das Exportgut Nr.1

Das kleine mittelamerikanische Land ist zum 6. größten Kaffeeanbauer der Welt aufgestiegen. Das Exportgut Nr.1 der Kaffeenation Honduras ist mit Abstand – Kaffee. Die für alle Arten geeigneten Bohnen zeichnen sich im Besonderen durch ihren bekömmlichen Säuregehalt aus.

Kaffee aus Honduras

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Kaffee aus Honduras

Honduras, Land des Kaffees und der Jugend. Mit einem Anteil von 41 Prozent stellen Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre den größten Anteil der einheimischen Bevölkerung dar. Das Bevölkerungswachstum ist doppelt so hoch, wie in den übrigen Teilen Lateinamerikas. Die Landschaft des Landes ist von dicht bewaldeten Regenwäldern umgeben, um die große Siedlungen entstanden sind. Auch das Biosphärenreservat "Rio Plátano", einer der letzten tropischen Regenwälder Zentralamerikas, ist in Honduras zu finden.

Generell besitzt das Land hervorragende Bedingungen für den Kaffeeanbau. Leider scheint der Export jedoch nicht strukturiert und organisiert zu sein. Die Ernten vieler Kleinbauern werden häufig gemischt, wodurch es zu starken Qualitätsschwankungen kommen kann. Außerdem kann das Land keine großen Erntemengen verzeichnen, obwohl diese binnen der letzten Jahre erheblich gestiegen sind. So kam Honduras im Jahr 2014 auf stolze 4,2 Millionen Säcke à 60 Kg - Platz 6 im weltweiten Ranking, das deutlich von Brasilien angeführt wird.

In Honduras wird überwiegend Arabica angebaut. Zu den wichtigsten Abnehmern des Landes gehören vor allem europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Der Geschmack des Kaffees kann als pikant und sehr kräftig beschrieben werden.

Honduras wird zur Kaffeenation

Honduras gilt seit jeher als die klassische Bananenrepublik. In den 1860er Jahren begann der Export der Frucht, bis schließlich im Jahr 1899 ein regelrechter "Bananen-Boom" einsetzte. Bis 1939 bestimmten Bananen den Export des Landes, die einen Anteil von rund 88 Prozent ausmachten. Überwiegend wurde dieser Export von Großunternehmen aus den USA bestimmt, die ihren Hauptsitz im Landesinneren hatten. Obwohl diese Firmen den Löwenanteil der Einnahmen für sich beanspruchten, trieben sie doch den Ausbau der Infrastruktur enorm voran. Straßen wurden gebaut und Stromtrassen gelegt. Dennoch kam es im Jahr 1954 zum Aufstand der Bevölkerung, der jedoch umgehend von Militärtruppen der USA niedergeschlagen wurde. Dennoch wurden den honduranischen Einwohnern zahlreiche Sozialleistungen in Aussicht gestellt, bevor die Regierung im Jahr 1976 den Bananengesellschaften endgültig die Erlaubnis für die Boden- und Hafennutzung im Landesinneren entzog.

Beinahe parallel zu den Streitigkeiten im Bananen-Sektor wurde die Geburtsstunde des Kaffee-Exports gefeiert. Nach ersten Versuchen war klar: Honduras scheint aufgrund seiner vegetativen und geologischen Bedingungen für den Kaffeeanbau gemacht. Über 50 Prozent der Landmasse liegen über einer Höhe von 1.000 Metern. Auch das Klima scheint nahezu Ideal zu sein. Zahlreiche Kleinbauern erkannten das Potenzial, das hinter dem Anbau von Kaffee steckte, und bauten die Pflanze in Hoffnung auf zukünftigen Reichtum an. Als die 1990er Jahre erreicht wurden, avancierte Kaffee zum wichtigsten Exportgut des Landes. Leider sollte der Kaffee-Boom in Honduras im Jahr 1998 ein jähes Ende erfahren: Der Hurrikan "Mitch" vernichtete große Teile der Anbauflächen und ließ den Export einbrechen. Obwohl sich zunächst Ernüchterung breitmachte, erreichte Honduras schon zwei Jahre nach dem verheerenden Unwetter wieder ein Exportvolumen von 340 Millionen US-Dollar - 26 Prozent des Gesamtexports.

Heute spielt Honduras eine wichtige Rolle im lateinamerikanischen Kaffeeanbau und wird, neben Nicaragua, als ausgemachtes Kaffeeland gefeiert.

Der Kaffee-Krieg in Honduras

Leider entwickelte sich der Kaffeeanbau in den 1960er Jahren zu einem wahren Politikum und war Auslöser zahlreicher Streitigkeiten, die sogar in einem Krieg gipfelten. Grund hierfür waren Bauern aus El Salvador, die ebenfalls von den Anbaubedingungen in Honduras profitieren wollten und in den 1950er Jahren in Massen über die Grenze drangen. Obwohl die Regierung von Honduras zunächst nicht bemerkte, dass sich die Bauern aus El Salvador vor allem im Hochgebirge niederließen, um dort Kaffee anzubauen, waren honduranische Bauern empört, als sie die ungewollten "Eindringlinge" entdeckten. Nun ging auch die Regierung auf Konfrontationskurs und begann mit der Vertreibung der Bauern aus El Salvador.

Dieser Streit gipfelte im Jahr 1969, als sich Honduras und El Salvador im Rahmen der Fußball-WM gegenüberstanden. Nachdem El Salvador die Partie für sich entscheiden konnte, entwickelten sich Straßenschlachten, bei denen zwei Menschen ihr Leben ließen und unzählige schwer verletzt wurden. Am 14. Juli 1969 marschierte schließlich die Armee El Salvadors in Honduras ein, um ein Bleiberecht ihrer Bauern zu erkämpfen. Nachdem Honduras dem Feind um Längen unterlegen war, griffen die USA in den Krieg ein und erreichten schon am 18. Juli 1969 den Rückzug der Streitkräfte El Salvadors. 3000 Menschen ließen in diesem "Kaffee-Krieg" ihr Leben.

Kaffeeanbau in Honduras

Honduranischer Kaffee wird überwiegend in höheren Regionen zwischen 1.000 Metern und 1.500 Metern angebaut. Außerdem genießt der "High Grow Kaffee", der in Regionen von bis zu 2.000 Metern Höhe angebaut wird, einen sehr guten Ruf in der Welt. Diese Kaffee-Sorte ist vor allem aufgrund ihres kräftigen Aromas und dem einzigartigen Geschmack sehr berühmt. Der leicht süßliche Kaffee wird gerne für Espresso verwendet.

Die Erntemengen, die Honduras erreicht, sind sehr gering. Lediglich 2 Prozent der Welternte trägt Honduras mit seinem Arabica bei. Grund hierfür ist sicherlich, dass nur 12 Prozent der Landfläche für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden, obwohl bis zu 30 Prozent genutzt werden könnten. Großgrundbesitzer lassen weite Teile ihres Grunds brachliegen, wohingegen zahlreiche Kleinbauern über zu wenig Landflächen verfügen. Eine traurige Tatsache, denn der Boden in Honduras ist sehr nährstoffreich und die, für den Anbau genutzten Hochlandgebiete, werden von Flusstälern durchzogen.

Nach der Kaffee-Ernte werden die Bohnen nach insgesamt drei Höhenlagen klassifiziert:

  1. Höhenlage 300 Meter bis 950 Meter: Kaffee-Bohnen aus diesen Regionen tragen die Bezeichnungen "Low Grown", "Buen Lavado" oder "Good Washed".
  2. Höhenlage 950 Meter bis 1300 Meter: Hier lauten die Bezeichnungen "Standard" oder "Prime".
  3. Höhenlage 1300 Meter bis 1500 Meter: Kaffee-Bohnen aus der höchsten Anbauregion in Honduras werden mit den Siegeln "High Grown", "Estricta" oder "Strictly High Grown" versehen. Verschifft werden die geernteten Bohnen im Anschluss durch private Unternehmen.

Die berühmte Anbau-Region Marcala

In Marcala sitzt die Kooperative COMBRIFOL, ein Zusammenschluss aus insgesamt vier Landkreisen und 600 Mitgliedern. Diese bauen neben Kaffee auch Obst, Mais und Bohnen an. Gegründet wurde der Zusammenschluss in den 1990er Jahren und wird bis heute durch die katholische Kirche in Marcala unterstützt. Im Jahr 2011 ist es COMBRIFOL erstmalig gelungen, einen direkten Ertrag bzw. Vertragsabschluss aus eigenem Kaffeeanbau zu erzielen. Grund für den Zusammenschluss waren die bereits erwähnten Bürgerkriege zwischen Honduras und Salvador und die daraus resultierenden, erschwerten Anbaubedingungen, denn bis 1992 gehörte das Gebiet, in dem sich COMBRIFOL befindet, zu Salvador. Erst durch einen Beschluss des Internationalen Gerichtshofs wurde das Gebiet Honduras zugesprochen. Eigentlich handelt es sich bei Marcala um einen Landschaftszug, der im Volksmund gerne als "Niemandsland" bezeichnet wird. Aufgrund der Vulkanausschüttungen, die aus Salvador angeweht werden, bietet die Region aufgrund eines sehr fruchtbaren Bodens jedoch optimale Bedingungen für den Kaffeeanbau. Heute haben sich Kaffees aus dieser Region einen sehr guten Ruf erarbeitet und sind mit dem Prädikat "Denominacion de Origen Marcala" ausgezeichnet. Besonders beliebt ist der Gourmetkaffee "Flor del Café".

Honduranische Kaffee-Sorten

Kaffee aus Honduras ist für seinen Qualität und seinen kräftigen Geschmack weltberühmt. Egal ob Espresso oder gemahlener Standard-Kaffee, honduranische Arabica werden in vielen Teilen der Welt konsumiert. Auch der Anteil an Bio-Kaffee und Fairtrade Kaffee nimmt jährlich zu. Insbesondere der Bio-Kaffee wird von den Bauern in Honduras sehr geschätzt, da sie mit diesem Produkt deutlich höhere Einnahmen pro verkauften Sack erzielen können.

Zu den berühmtesten Kaffeesorten zählt die "Pacamara-Bohne", der auf der Plantage "Finca Santa Marta" zu finden ist und im Jahr 2006 als bester Kaffee des Landes ausgezeichnet wurde. Der Bio-Kaffee wird nach strengen Regularien angebaut und verspricht einen herrlich würzigen Geschmack, der durch fruchtige Aromen ergänzt wird. Leider verfügt die Plantage über keine großen Anbauflächen, wodurch der Kaffee bereits nach kürzester Zeit ausverkauft ist.

Honduranischer Kaffee ist aufgrund seines Säuregehalts sehr bekömmlich und für nahezu alle Kaffeearten geeignet, da in der Regel der Mahlgrad explizit gewählt werden kann.