Die Slow-Food-Bewegung wurde 1986 vom Italiener C. Petrini in Abgrenzung zum bereits damals populären Fast-Food angestoßen. Im Jahr 1992 entdeckte dann Deutschland den Trend für sich. Seitdem ist der Slow-Coffee fester Bestandteil der stetig umfassender werdenden Lebenseinstellung. Fairer Handel und zertifizierte Anbaugebiete in Honduras, Guatemala, Uganda, Äthiopien, Mosambik sowie São Tomé & Príncipe bilden die Grundlage des neuen Kaffeegenusses. Schonende Röstverfahren und mit allen Sinnen zelebrierte Brühmethoden verkörpern den Geist der Entschleunigung und bewussten Wahrnehmung.

Die Kernpunkte vom Slow-Coffee

Kaffee war für Jahrzehnte oft nur das dunkle, heiße Getränk, das auf Knopfdruck aus der Kaffeemaschine kam. So verschwanden Aromakomplexität und der eigentliche Genuss nicht selten hinter dem Koffeinkick. Auch der schnelle “Coffee to go” im Wegwerfbecher folgt demselben, unreflektierten Konsumverhalten. Es wird nach immer mehr, billigeren und schnelleren Resultaten gestrebt und selbst das eigene Wohlbefinden gerät in den Hintergrund. Slow-Food als Gegenbewegung widerspricht diesen Parametern und sucht nach einem neuen Lebensgefühl: Genuss, Entschleunigung, weniger Stress, ökologisches und soziales Engagement sind Lifestyle pur.

Slow-Food-Stiftung für Biodiversität

slow food2003 gründete Slow-Food-International die Stiftung für Biodiversität. Zur Information: Kaffee gedeiht nur in einer schmalen Klimazone zwischen 25° südlicher und 23° nördlicher Breite. Diese als “Kaffeegürtel” bekannte, tropische Region entfällt fast ausschließlich auf Schwellen- und Dritte Welt Länder. Entsprechend niedrig sind die sozialen Absicherungen und das ökologische Verständnis der in der Regel sehr armen, einheimischen Kleinbauern. Daneben unterstützt das Preisdumping konventioneller Betriebe die mangelhaften Strukturen und lässt den Kleinbauern wenig Raum zum Überleben.

Die Slow-Food-Bewegung tritt diesem System entgegen und fördert Kooperativen vieler Kleinbauern in strukturell schwachen Ländern. Der faire Handel mit den entlegenen Gebieten ermöglicht vielen Familien ein gesichertes Einkommen und fördert zudem ökologische, schonende Anbaubedingungen. Darüber hinaus fördert die Bewegung das Wissen über Natur, Artenvielfalt und natürliche Düngemittel und kämpft so gegen Artensterben. Durch diese Schutzmaßnahmen gewinnen nicht nur die Wildtiere, auch seltene Kaffeesorten finden ihren Weg in unsere Tassen und das Wissen traditioneller Anbau- und Röstmethoden wird erhalten.

Die “Schulung der Sensorik“

Kaffeegenuss bedarf hervorragender Bohnen, traditioneller oder innovativer Röst- und Brühmethoden sowie der Sensibilisierung des eigenen Gaumens. Durch Fast-Food und unreflektierte Ernährung verlernen wir häufig, feine Aromen und Nuancen wahrzunehmen und nur die Grundgeschmacksrichtungen wie scharf, süß, salzig, fettig, herb und bitter bleiben zurück. Kaffee-Connaisseure, vergleichbar mit Weinsommelieren, detektieren jedoch bis zu 800 unterschiedliche Aromen in erlesenen Bohnen. In Slow-Food-Schulungen wird dieses Wissen vermittelt und sie schaffen die Grundlage, Lebensmittel und Kaffee sinnlich zu erleben und sie als Genuss- statt reinem Konsummittel zu betrachten. Einmal die Komplexität erfasst, öffnet sich eine neue Welt für Nase und Gaumen.

Die Zubereitung von Kaffee – Geduld und Wissen

Bohnensorte und -qualität, Röstung, Mahlgrad und das Brühverfahren verändern den Geschmack des Kaffees. Während die Sorte und Röstung individueller Vorzüge folgt, sind die Qualitätsanforderungen unabhängig. Der beste Kaffee wird stets aus frisch gemahlenen Bohnen gewonnen, denn durch die Lagerung verlieren sich flüchtige Aromen. Darüber hinaus lässt sich mit der eigenen Kaffeemühle der Mahlgrad bestimmen – nicht unerheblich für den Geschmack.

Das Brühverfahren hat ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die Aromakomplexität. Die neuen Trends wie “Pour Over”, “Cold Brew” und “Cold Drip” verkörpern den Slow-Food-Gedanken und werden im folgenden näher beschrieben.

“Pour Over” – der Klassiker im neuen Gewand

Das eigentlich traditionelle Verfahren des “Pour Over” mit der Filter-Kaffeemaschine kennen viele noch aus Ihrer Kindheit. Heute wird “Pour Over” als manuelles, langsames Übergießen zelebriert:
60 bis 100 Gramm Kaffeepulver wird pro Liter möglichst weichen Wassers benötigt. In einer mit warmen Wasser gespülten Filtertüte oder feinem Stofftuch wird das Kaffeepulver langsam mit heißem Wasser übergossen. Die Geschwindigkeit beeinflusst dabei die Aromenentwicklung, denn mit mehr Zeit gewinnt der Slow-Coffee an Komplexität. Eine Tasse Kaffee ist in circa drei Minuten fertig.Permanentfilter

Im Spiel unterschiedlicher Mahlgrade, Röstungen und Brühgeschwindigkeiten entdeckt jeder seinen individuellen Favoriten. In unserem Shop finden Sie verschiedene Handfilter, mit denen Sie einen „Pour Over“ Kaffee brühen können; beispielsweise die traditionellen Handfilter, aber auch Handfilter, wie den Bodum Kaffeebereiter mit Permanentfilter oder die Chemex Kaffeekaraffe.

“Cold Brew” und “Cold Drip” – die Zeit entfacht die Aromen

Kaffee der anderen Art ist “Cold Brew” und “Cold Drip”. Dabei handelt es sich keinesfalls um abgestandene Reste des Vortags, sondern um eine eigenwillige Brühmethode. Beim “Cold Brew” wird 100 Gramm gemahlenes Kaffeepulver über acht bis 24 Stunden in einem Liter kalten Wasser (Zimmertemperatur) eingelegt. Der anschließende Filterprozess entfernt die festen Bestandteile und ein einen milder sowie komplexer Kaffee entsteht.

Beim aufwendigeren “Cold Drip”, auch “Dutch Coffee” genannten Verfahren, wird das feingemahlene Kaffeepulver mit sehr kaltem Wasser übergossen. Dies geschieht jedoch nicht binnen weniger Minuten, sondern Stunden. Nur tröpfchenweise machen Kaffeepulver und Wasser miteinander Bekanntschaft, wodurch ein Konzentrat entsteht. In Bars wird dieses Verfahren mithilfe des Cold Drippers gekonnt in Szene gesetzt. Mit Wasser verdünnt genossen, entfaltet sich die pure Kraft der Bohnen.

Erleben Sie den besonderen Kaffee-Geschmack hervorragender Bohnen

Fazit: Slow-Food-Coffee – ein Trend, der Sinn macht

Slow-Coffee ist ein umfassender Lifestyle, der sich dem Geschmack und der Verantwortung für Natur und Menschen verschrieben hat. Er ist gekennzeichnet durch:

  • Fairen Handel und zertifizierte Anbaugebiete
  • Schutz der Biodiversität
  • Erforschung vergessener und neuer Geschmackserlebnisse
  • Wiederbelebung traditioneller Brühmethoden, darunter “Pour Over”, “Cold Brew” und “Cold Drip”

Fotos von oben nach unten: © bennnn/fotolia.com, © nioloxs/fotolia.com

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