Thomas in Costa Rica
17.03.2020

Klimaneutral Kaffee produzieren: Für die Murnauer Kaffeerösterei ist das kein entfernter Traum, sondern Realität

Im wunderschönen Murnau am Staffelsee, ganz weit im Süden Bayerns gelegen, ist die Murnauer Kaffeerösterei zu Hause. Unter Kaffeeliebhabern und -kennern ist sie schon längst kein Geheimtipp mehr, veredeln die Bayern doch seit zwölf Jahren mit viel Liebe Rohkaffees aus aller Welt in ihrer heimeligen Rösterei. Seit 2019 ist die Murnauer Kaffeerösterei nun sogar völlig klimaneutral unterwegs! Und das nächste Ziel hat man auch schon vor Augen: den Direct Trade-Ansatz vertiefen. Im Interview erzählt Gründer und Geschäftsführer Thomas Eckel, warum der Rösterei soziale und ökologische Nachhaltigkeit so wichtig ist, und was sie bisher erreicht hat.

Geschäftsführer Thomas Eckel
Geschäftsführer der Murnauer Kaffeerösterei Thomas Eckel

Die Murnauer Kaffeerösterei ist ein kleiner Betrieb mit 15 Mitarbeitern. Mit geballter Manpower veredelt sie im Jahr stolze 150 Tonnen Rohkaffee zu köstlichem Kaffee. Genau 20 verschiedene Sorten wie der allseits beliebte El Castillo mit schokoladigen und nussigen Noten sind immer fest im Sortiment. Wunderbare Spezialitätenkaffees und ein wechselnder Kaffee des Monats ergänzen das Angebot. Im angrenzenden Kaffeehaus verbringen viele Kaffeeliebhaber ihren Nachmittag bei einer oder auch zwei Tassen Kaffee. Was für die Kundschaft ein Segen ist, ist für die Murnauer Kaffeerösterei eine große Verantwortung. Denn sowohl der eigene Betrieb als auch die hervorragenden Kaffeeprodukte stoßen Treibhausgasemissionen aus und schlagen sich im Klima nieder. Deswegen hat sich das Team der Rösterei schon früh mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und kämpft aktiv gegen den Klimawandel. Seit letztem Jahr ist es offiziell: Die Bayern arbeiten völlig klimaneutral.

roastmarket: Hallo Thomas, schön, dass wir hier bei euch in der Rösterei über euren Erfolg in Sachen Nachhaltigkeit sprechen. Bitte erzähl uns doch einmal, warum das Thema für euch so wichtig ist.

Thomas: Und ich freue mich, euch hier in unserem Kaffeehaus zu empfangen. Nachhaltigkeit sollte in meinen Augen in jedem Unternehmen eine Rolle spielen. Denn jedes Unternehmen trägt der Umwelt gegenüber eine große Verantwortung. Es muss zum Beispiel darauf achten, dass Abfälle ordnungsgemäß entsorgt werden, welche Materialien es in der Produktion verwendet oder worin Einsparpotenzial besteht. Jeder Betrieb sollte diesen Schritt gehen, um den Klimawandel positiv zu beeinflussen. Gerade hier bei uns in den Industrienationen ist ein Umdenken wichtig. Doch auch kleinere Länder wie Costa Rica unternehmen etwas für den Schutz des Klimas. Bis zum Jahr 2021 möchte das Land klimaneutral sein. Ich finde, das ist ein guter Ansporn.

roastmarket: Das ist wirklich wunderbar! Was genau tut Costa Rica für den Klimaschutz? 

Thomas Eckel in Costa Rica
Thomas zu Besuch in Costa Rica

Thomas: Bereits vor vielen Jahren hat das Land, das übrigens ein großer Kaffeeproduzent und in dem Kaffee die wichtigste Exportware ist, erkannt, dass sich etwas ändern muss. 6.000 Kaffeefarmer und ihre Mitarbeiter werden nun dabei unterstützt, den Anbau sowie die Weiterverarbeitung des Kaffees klimafreundlich zu gestalten. Auch das Bundesumweltministerium sowie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit fördern das Projekt “Unterstützung der Klimaneutralitäts-Strategie Costa Ricas als Modell für Low-Carbon Development”. Wir sind übrigens sehr stolz, Kaffees aus diesem zentralamerikanischen Land anbieten zu können, das nachhaltig mit seinen Ressourcen umgehen möchte.

roastmarket: Wie habt ihr es geschafft, jetzt klimaneutral zu sein? Und welche Schritte waren dafür notwendig?

Thomas: Die Nachhaltigkeitsberatung Fokus Zukunft GmbH aus der Nähe von Starnberg hat unsere Treibhausgasemissionen bestimmt. Dazu gehören einerseits unsere eigenen Emissionen wie der CO2-Ausstoß durch unsere Heizung, den verbrauchten Strom oder Lieferwege. Auf der anderen Seite berücksichtigt die Berechnung auch die Emissionen unserer Kaffeeprodukte, die weite Wege zu uns nach Murnau zurücklegen. Jährlich produzieren wir so insgesamt 1.097 Tonnen CO2. Das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von rund 121 Menschen in Deutschland. Um diesen Ausstoß auszugleichen, haben wir 1.277 Klimaschutz-Zertifikate gekauft. Wir beteiligen uns damit an vielen wunderbaren Projekten, die Treibhausgasemissionen vermeiden bzw. speichern. Wir unterstützen ganz konkret ein Windkraftwerk in Indien, ein Aufforstungsprojekt in Panama, ein Wasserkraftprojekt in Guatemala und ein Kochofen-Projekt in Ruanda.

roastmarket: Diese Projekte sind sehr sinnvoll und zukunftsweisend. Ist es Zufall, dass all diese Projekte in Schwellen- bzw. Entwicklungsländern stattfinden? Und was genau fördert das Kochofen-Projekt?

Thomas: Nein, das ist kein Zufall. Das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll, ein Zusatzprotokoll der Vereinten Nationen mit dem Ziel des Klimaschutzes, schreibt vor, dass solche Projekte dort stattfinden sollen, wo sie am wirtschaftlichsten sind. Neue Technologien können in Schwellen- und Entwicklungsländern wesentlich kostengünstiger eingesetzt werden und helfen dabei, von vornherein ökologische und soziale Standards zu etablieren. Deswegen unterstützen wir diese Projekte alle von Herzen gerne.

Das Kochofen-Projekt entwickelt effizientere Öfen, die den Holzbedarf um bis zu 80 Prozent verringern. Denn Kochöfen werden in Ruanda wie in vielen anderen afrikanischen Ländern meist mit Holz befeuert. Der hohe Verbrauch beschleunigt jedoch nicht nur den Klimawandel, sondern bedroht auch den Lebensraum der Berggorillas und anderer Tiere und Pflanzen in Ruanda.

roastmarket:Wir sind sehr begeistert von eurem Engagement und hoffen, dass noch mehr Unternehmen umdenken und einen Schritt in die richtige Richtung machen. Hast du einen Tipp, wie man sich als Unternehmen langsam an das Thema Nachhaltigkeit herantasten kann?

Thomas: Ja, das wünschen wir uns auch. Denn es ist gar nicht so schwer, wie viele denken. Außerdem kann wirklich jeder etwas tun und sollte sich nicht kleiner machen als er ist. Jede Entscheidung setzt eine Kette positiver Effekte in Gang: Wenn ich als Unternehmer mir das Ziel setze, klimaneutral zu sein, hat das auch Auswirkungen auf meine Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden. 

Den universellen Tipp habe ich natürlich nicht. Ich kann aber sagen, dass wir durch unser Recyclingsystem für leichte Verpackungen allein im Jahr 2018 fast 75 Tonnen Material und mehr als elf Tonnen Emissionen eingespart haben. Bereits kleine Veränderungen bewirken Großes.

roastmarket: Das sind enorme Einsparungen. Seid ihr stolz auf das, was ihr bisher erreicht habt?

Thomas: Selbstverständlich freuen wir uns sehr darüber, dass wir etwas für unsere Umwelt tun und gleichzeitig weiter köstlichen Kaffee produzieren können. Das ist für uns aber kein Grund, sich auszuruhen. Wir fokussieren bereits unser nächstes Ziel. Wir möchten im Jahr 2020 gerne unseren Direct-Trade-Ansatz weiter vertiefen.  

roastmarket:Was macht ihr in diesem Bereich bisher?

Thomas: Unser Kaffee Pacha Mama aus Peru ist momentan das Produkt, bei dem wir uns am intensivsten mit Direct Trade beschäftigen. Bereits vor fünf Jahren war ich in Peru, um die Kooperative “PachaMama” in der Provinz Chanchamayo von Michael Scherff und Walter Knauer kennenzulernen. Die beiden haben sich das Ziel gesetzt, gemeinsam mit den Kaffeebauern der Asociación Miguel Grau hochwertigen Kaffee mit mindestens 85 Punkten zu erzeugen und direkt in Deutschland zu vermarkten. Unsere Rösterei unterstützt dieses großartige Projekt, um Gesundheit, Bildung und Naturschutz in Peru zu verbessern.

roastmarket: Wie geht ihr vor, um den Direkthandel zu vertiefen?

Thomas: Wir pflegen schon immer persönliche Kontakte mit den Kaffeebauern, von denen wir unseren Kaffee beziehen. In Zukunft möchten wir den Kontakt weiter ausbauen. D.h., wir möchten mehr Erzeuger besuchen und sie auch zu uns nach Deutschland einladen. Der erste Schritt dabei ist der Besuch von Aurelia. Sie kommt direkt aus der Kooperative “PachaMama” in Peru und ist seit Januar zum Wissensaustausch hier bei uns. Im nächsten Schritt wird unser Röster Thorsten direkt zu Plantagen reisen, um Kontakte zu knüpfen und Wissen mit den Kaffeefarmern auszutauschen.

Aurelia aus Peru bei der Verkostung von Kaffees
Aurelia bei einer Verkostung

roastmarket: Das klingt nach einem ausgefeilten Plan. Wie gefällt es Aurelia in Deutschland? Und wie verständigt ihr euch?

Thomas: Da Aurelia nur Spanisch spricht, sind wir von Zeit zu Zeit auf Hilfe angewiesen. Unsere Barista Chio spricht die Sprache und übersetzt für uns. Wie es ihr bei uns gefällt, fragt ihr sie am besten selbst.

roastmarket: Hallo Aurelia, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns von deinen Eindrücken hier in Murnau zu berichten. Wie gefällt es dir hier? 

Aurelia: Mir gefällt es sehr gut! Das Tollste war für mich, einmal Schnee zu sehen. Den gibt es ja in Peru nicht. Leider gab es dieses Jahr nicht so viel Schnee wie sonst, habe ich gehört.

roastmarket: Welche Aufgaben übernimmst du in der Rösterei?

Aurelia: Ich erhalte Einblicke in den Betrieb eines Kaffeehauses und einer Rösterei. Dazu gehört das Etikettieren der Verpackungen genauso wie das Fertigstellen von Lieferungen. Im Kaffeehaus lerne ich von den Baristas, wie ich die Kaffeemühle für jeden Kaffee einstelle und wie ich leckere Kaffees zubereite. Besonders stolz bin ich, wenn ein Kunde im Kaffeehaus einen Kaffee von meiner Plantage kauft.

Thomas ergänzt: Aurelia lernt aber nicht nur von uns. Unser gemeinsames Ziel ist es, durch den gegenseitigen Austausch voneinander zu lernen. Deswegen bringt Aurelia uns ebenso Dinge bei. 

roastmarket: Was denn zum Beispiel?

Thomas: Gerade beim Rösten tauschen wir unsere Erfahrungen gegenseitig aus. Aurelia erklärt uns, wie in ihrer Heimat geröstet wird. Bei den Verkostungen wird es erst richtig spannend. Aurelia beschreibt geschmackliche Nuancen und Aromen manchmal anders als wir. Sie erkennt dann zum Beispiel eine peruanische Frucht, die Thorsten und ich nicht kennen ‒ und andersherum. Das bereichert auf beiden Seiten die Sensorik. 

roastmarket: Aurelia, welche Aufgabe macht dir am meisten Spaß?

Aurelia: Ganz klar die Verkostungen!

roastmarket: Und welche Erfahrungen nimmst du mit nach Hause?

Aurelia: Ich reise mit einer geschulten Sensorik nach Hause. D.h., ich kann jemandem ein ihm fremdes Aroma so beschreiben, dass er es erfassen kann. Außerdem nehme ich den Sinn für Ordnung und Struktur mit. Auf diese Weise sind Prozesse einfacher zu gestalten. 

roastmarket: Möchtest du noch einmal wiederkommen?

Aurelia: Ja, auf jeden Fall. Dann sollten wir uns nur besser auf die Sprachbarrieren vorbereiten (lacht).

roastmarket: Wir freuen uns, dass es dir in Murnau gut gefällt. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal. Hab noch eine gute Zeit und viel Spaß! Thomas, auch dir danken wir für deine Zeit. Wir sind gespannt, was wir als Nächstes von euch hören werden.

Thomas: Ich bedanke mich bei euch für das Interview und glaubt mir: Von uns wird es im Jahr 2020 noch viel Neues geben.

Verkostung mit Geschäftsführer Thomas Eckel
Walter Knauer, Aurelia und Thomas Eckel (v.l.) bei einer Verkostung

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