Der Äquator – Kaffeegürtel der Erde

Die Region zwischen 10 Grad nördlicher und 10 Gard südlicher Breite wird als Kaffeegürtel bezeichnet. Nur in diesem Streifen rund um den Globus finden sich die Standortbedingungen für Kaffeeproduktion im großen Stil. Doch auch dort ist der Anbau kein einfaches Geschäft. Und infolge der Erderwärmung werden die Herausforderungen für die Bauern weiter wachsen.

Kaffeeanbaugebiete um den Äquator

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Das grüne Band: Kaffeeanbau am Äquator

Exzellenter Kaffee ist wie guter Wein. Jede einzelne Bohne wird geprägt durch die Bedingungen, unter denen sie angebaut wurde. Nur wenn der Boden, der Standort, die Wetterbedingungen und die Anbaumethoden ideale Voraussetzungen schaffen, gedeiht Rohkaffee höchster Qualität.

Ideal für den Kaffeeanbau ist ein möglichst gleichmäßiges Klima. Übermäßige Kälte- oder Hitzeperioden schaden den Kaffeepflanzen ebenso wie zu geringe Niederschlagsmengen oder zu viel Sonne. Zudem benötigt Kaffee eine gleichmäßige Versorgung mit Magnesium, Kalium, Phosphor und Kalzium und einen PH-Wert zwischen 5 und 6, wie sie beispielsweise vulkanische oder humöse Böden bieten.

Kaffeeanbau ist eine Aufgabe mit vielen Variablen. Daher sind Pauschalaussagen zu idealen Standortbedingungen kaum möglich. Dennoch lassen sich für die wirtschaftlich interessanten Sorten Arabica und Robusta einige Rahmendaten benennen:

  • Temperatur: Während Coffea Arabica Temperaturen von 18 bis 22 Grad bevorzugt, verträgt Coffea Canephora, bekannt als Robusta, auch längere Perioden zwischen 18 und 36 Grad.
  • Höhenlage: Arabica reagiert sehr empfindlich auf Hitze. Zudem ist die Sorte sehr anfällig für Kaffeerost, eine wirklich verheerende Pflanzenkrankheit. Sie wird verursacht durch Hemileia vastatrix, einen Pilz, der sich bei Temperaturen zwischen 21 und 25 Grad Celsius am schnellsten verbreitet. Auch deshalb wird Arabica in größerer Höhe ab ca.1300 Meter mit eher kühlerer Witterung angebaut. Robusta ist deutlich widerstandsfähiger und anspruchsloser. Diese Pflanzen gedeihen auch unterhalb 600 Meter Höhe.
  • Niederschlag: Robusta-Kaffee benötigt eine Niederschlagsmenge von 2200 bis 3000 mm pro Jahr. Arabica-Pflanzen begnügen sich mit 1200 bis 2200 mm.
  • Luftfeuchtigkeit: Robusta-Kaffee gedeiht auch in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Dagegen toleriert Arabica besonders feuchtwarme Luft eher schlecht.
  • Sonne: Ungefähr vier Sonnenstunden täglich sind gleichermaßen ideal für Coffea Arabica und Coffea Canephora.

Die besten Ernteergebnisse werden dann erzielt, wenn die für den jeweiligen Standort ideale Kaffeesorte mit viel Sachkenntnis und Sorgfalt angebaut wird und wenn die Witterung, Pflanzenkrankheiten oder andere Unwägbarkeiten keinen Strich durch die Rechnung der Farmer machen.

Kaffeeanbau

Die Wiege der Kaffeekultur

Bevor Menschen Kaffeepflanzen kultiviert haben, war ihnen bereits die anregende Wirkung der Kerne wild wachsender Kaffeekirschen bekannt. Es verwundert nicht, dass sie diese Wirkung vermutlich in den Bergregenwäldern Äthiopiens entdeckten, wo Coffea Arabica als endemische Pflanze beheimatet ist. Von dort gelangten zunächst die Bohnen als Heilmittel in die Nachbarländer und in den arabischen Raum. Die ältesten uns heute bekannten Nachweise für gerösteten Kaffee stammen aus Ra’s al-Chaima, dem kleinsten der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Möglicherweise trat vor mehr als Tausend Jahren die Kunst des Kaffeeröstens von dort ihren weltweiten Siegeszug an. Zunächst verbreiteten Ärzte, Philosophen und andere Gelehrte ihr Wissen über Kaffee. Dann übernahmen Händler und Eroberer die Initiative und brachten die begehrten Bohnen nach Asien, nach Europa und in die neue Welt. So entwickelte sich aus Früchten, die nicht allzu weit vom Äquator in einem Hochland mit Mittelgebirgscharakter wild wachsen, eine weltumspannende Kulturgeschichte.

Aus den Tropen in die Welt

Aufgrund der idealen Wachstumsbedingungen in der Äquatorregion bezeichnet man den Bereich zwischen 10 Grad nördlicher und 10 Grad südlicher Breite als den Kaffeegürtel der Erde. Hier liegen alle großen Kaffeeanbauländer. Die folgenden zehn Länder produzieren einen großen Teil des gesamten Kaffees für den Weltmarkt:

  • Brasilien (ca. 3 Mio Tonnen)
  • Vietnam (ca. 1,5 Mio Tonnen)
  • Indonesien (ca. 800.000 Tonnen)
  • Kolumbien (ca. 650.000 Tonnen)
  • Indien (ca. 320.000 Tonnen)
  • Honduras (ca. 275.000 Tonnen)
  • Äthiopien (ca. 270.000 Tonnen)
  • Peru (ca. 255.000 Tonnen)
  • Guatemala (ca. 255.000 Tonnen)
  • Mexiko (ca. 230.000 Tonnen)

Es fällt auf, dass die Produktionsmengen einiger auch in Deutschland für Kaffeeanbau bekannter und geschätzter Länder weit hinter den Top 10 zurück liegen. So produziert beispielsweise Kenia nur ca. 40.000 Tonnen pro Jahr, Kolumbien nur knapp 30.000 Tonnen. Daran wird deutlich: Trotz der geografischen und klimatischen Vorzüge des Kaffeegürtels ernten die Bauern auch in diesen Regionen höchst unterschiedliche Sorten, Qualitäten und Mengen. Und manche besonders edle und teure Kaffees sind auf dem Weltmarkt nur in sehr kleinen Mengen erhältlich.

Kaffee, der außerhalb des Kaffeegürtels beispielsweise in Australien oder Nepal angebaut wird, gilt eher als exotisch, bestenfalls als Spezialität. Dennoch gibt es aber auch darunter interessante Kaffeesorten zu entdecken.

Wachstumszyklen und Ernteperioden

Kaffeepflanzen blühen über mehrere Monate. Und Arabica-Pflanzen können sich sogar selbst bestäuben. Da sie nahe des Äquators das ganze Jahr über unter nahezu unveränderten klimatischen Bedingungen wachsen, tragen sie oft Blüten und Kaffeekirschen zur selben Zeit. Nach der Befruchtung benötigen die Früchte sieben bis neun Monate Reifezeit. In dieser Zeit wechseln sie ihre Farbe von Grün (unreif) über Gelb zu Rot (reif) und anschließend zu Schwarz (überreif).

Und wie so oft im Landbau finden wir auch beim Kaffee ein Dilemma zwischen Qualität und Ernteerträgen. Je langsamer Kaffeebohnen reifen, umso mehr und komplexere Aromen können sie entwickeln. Daher sind die in höheren und kühleren Lagen langsamer wachsenden Arabica-Kaffeesorten oft aromatischer als der schneller im Flachland gezogene Robusta. Dagegen reifen die weniger edlen Robustabohnen direkt am Äquator schneller und können hier sogar mehrmals im Jahr geerntet werden. Die Erntezeit für Sorten, die nur einmal jährlich reif werden, liegt nördlich des Äquators zwischen September und Dezember, im südlichen Kaffeegürtel zwischen April und August.

Kaffeebauern

Das Klima bewahren!

Experten befürchten tiefgreifende Veränderungen durch den Klimawandel auch für den Kaffeeanbau am Äquator. In den vergangenen 200 Jahren ist die für die Landwirtschaft im Kaffeegürtel so wichtige Niederschlagszone nach Norden gewandert. Und auch in den kommenden Jahrzehnten wird sich die innertropische Konvergenzzone, so der Fachbegriff, immer weiter vom Äquator entfernen. In der Folge müssen Kaffeebauern mit höheren Temperaturen, längeren Trockenperioden, geschwächten Pflanzen und erhöhtem Schädlings- und Krankheitsbefall rechnen. Ob und wie diese negativen Folgen unserer Umweltbelastung aufgefangen werden können, ist derzeit noch völlig offen. Für den äthiopischen Wildkaffee, der nicht durch Kulturmaßnahmen geschützt wird, könnten sie jedenfalls das unwiederbringliche Ende bedeuten. Einige Fachleute prophezeien sein Aussterben bis zum Jahr 2080.

Auch hieran zeigt sich, wie wichtig es ist, dass auch Kaffeetrinker durch umweltbewusstes Verhalten einen Beitrag zum Erhalt unserer Erde und ihrer natürlichen Ressourcen leisten.