Ein Tasse Kaffee am Morgen oder zwischendurch „to go“ gehört für die meisten Menschen heute einfach dazu. Mit 165 Litern ist Kaffee bei weitem das am meisten konsumierte Getränk noch vor Mineralwasser und Bier. Tut man etwas täglich aufs Neue, kommt schnell die Frage auf, kann das gesund sein? Schließlich trinkt man ja auch nicht einfach so mehrmals am Tag ein Bier. Warum es okay ist, jeden Tag Kaffee zu trinken und warum man es dennoch etwas bewusster tun könnte als gewohnt, erkläre ich euch hier.

Ein guter Tag beginnt mit Kaffee

So oder so ähnlich würden wohl die meisten Menschen, die gerne Kaffee trinken, auf die Frage antworten, wie der ideale Tag beginnt. Der Mensch braucht nun einmal Rituale, denn sie vermitteln das Gefühl von Geborgenheit und lassen einen runterkommen. Natürlich spielt hier auch der „Aufweck-Effekt“ des Kaffees eine Rolle. Koffein blockt genau die Rezeptoren in unserem Nervensystem, die normalerweise dafür sorgen, dass der Körper einen Gang zurückschaltet. Diese Rezeptoren haben durchaus einen Sinn, denn der menschliche Organismus ist wie jedes andere Lebewesen immer darauf bedacht, möglichst keine Energie zu verschwenden. Das Abbauprodukt einer energiereichen Substanz in unseren Zellen dockt daher normalerweise an besagte Rezeptoren an und signalisiert: Es reicht, Aktivität runterfahren!

Nicht so, wenn Koffein im Körper ist, denn dieses konkurriert um die Andockstellen der Rezeptoren und hält uns so länger wach. Da aber auch das Koffein nur eine bestimmte Zeit lang die Rezeptoren blockiert und irgendwann ausgeschieden wird, ist der Effekt nicht von zu langer Dauer, sondern so, dass wir uns gut fühlen. Nicht zuletzt spielen die vielfältigen Röstaromen eine große Rolle dafür, dass alleine schon der Geruch von Kaffee für gute Stimmung sorgen kann. Direkt vorm nächsten Aufbrühen mal ausprobieren: einen vollen Atemzug aus der Kaffeedose inhalieren, Augen zu und beobachten, was passiert. Diese Mischung aus Ritual, Aufwecken und Aroma macht den Kaffee am Morgen für viele Menschen so wichtig – und natürlich zwischendurch, während des Tages.

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Ist es wichtig, zu welcher Tageszeit Kaffee getrunken wird?

Der Kaffee am Morgen ist klar, aber was mit Kaffee am späten Abend? Generell gilt, was gut vertragen wird, ist auch in Ordnung. Ich selber kann auch noch einen Kaffee vor dem Schlafengehen trinken und schlafe trotzdem tief und fest. Wem das nicht bekommt, der sollte einfach am späten Nachmittag oder frühen Abend keinen Kaffee mehr trinken.

Gesund oder ungesund, das ist hier die Frage

Seit ein paar hundert Jahren ist schon geklärt, dass die Dosis das Gift macht. Diese Erkenntnis des Arztes Paracelsus aus dem 16. Jahrhundert ist denkbar einfach und doch lassen wir uns immer wieder verrückt machen, wenn es um Lebensmittel geht. Die Grundregel lautet: zu viel ist immer schlecht. Für Koffein sind 400 Milligramm pro Tag unbedenklich.

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Je nach Zubereitung entspricht das 5 bis 6 Tassen Filterkaffee oder bis zu 10 Espressi. Für Kaffee zeigen sämtliche Studien, die einen Zusammenhang zu Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes Mellitus Typ 2, Lebererkrankungen oder neurodegenerativen Erkrankungen untersucht haben, dass 4 bis 5 Tassen pro Tag völlig okay sind. In manchen Fällen treten diese Erkrankungen bei Kaffeetrinkern sogar seltener auf. Wer empfindlich auf Koffein reagiert, der kann natürlich immer auf die koffeinfreie Variante umsteigen. Kaffee an sich ist daher nicht ungesund. In Maßen genossen, kann er dagegen sogar sehr positive Effekte haben.

Woher kommt dann manchmal der Ratschlag „lass einfach den Kaffee weg“?

Wie viele gut gemeinte Ratschläge basiert auch dieser nicht unbedingt auf einer wissenschaftlichen Grundlage. Schon seit Beginn der Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten findige Ingenieure Verfahren, um „Reizstoffe“ aus dem Kaffee zu entfernen. Zum Beispiel die als „Lendrich-Verfahren“ bekannte Dämpfung von Rohkaffee, um den Chlorogensäuregehalt zu senken. Was heute als Qualitätsmerkmal gilt, wurde damals für mangelnde Appetitlichkeit verantwortlich gemacht. Während der 60er und 70er Jahre hatten entsprechend ausgelobte Kaffees Hochkonjunktur und es reichte nach damals geltendem Recht, einfach einen beliebigen Inhaltsstoff des Kaffees zu reduzieren.

Heute sind derartige Behauptungen nicht mehr erlaubt, wenn sie nicht hinreichend wissenschaftlich belegt sind. Dass entsprechende Produkte aus den Regalen verschwunden sind, zeigt, dass wohl nicht viel dran war, an den gesundheitlichen Bedenken. Zumal das Kaffeetrinken seither auch nicht rückläufig ist. Tatsächlich waren es wohl eher andere Lebensstil bezogene Dinge wie Rauchen, Alkohol und zu fettes Essen, das zu allgemeinem Unwohlsein geführt hatte. Aber der einfache Ratschlag „lassen Sie mal den Kaffee weg“ war sicher am leichtesten umzusetzen und hatte sich so eingebürgert.

Manche Ernährungskonzepte raten dennoch vom Kaffeetrinken ab

Ob Detox, Paleo oder Clean Eating und auch manch naturheilkundlich bewanderter Ratgeber raten vom Kaffeekonsum ab. Meistens wird entweder damit argumentiert, dass Kaffee im Körper die Schlackenbildung fördert oder einfach nicht auf den Speiseplan gehört, weil der Urmensch damals ja auch keinen Kaffee kannte. Das eine wie das andere ist letztlich wissenschaftlich nicht haltbar. Zunächst gibt es keine „Schlacken“. Mit der Bezeichnung ist laut einschlägiger Heilslehren so etwas wie Giftansammlung im Körper gemeint, die nicht weiter definiert sind.

Fakt ist, dass der menschliche Körper ein sehr effizientes Entgiftungssystem besitzt. Bestimmte Enzymsysteme in der Leber sorgen dafür, dass mitunter sehr giftige Substanzen wasserlöslich gemacht werden und anschließend über den Urin ausgeschieden werden können. Im Zweifelsfall hilft es also mehr 1 Liter Wasser zu trinken als sich eine bisweilen teure Detox-Diät aufzuerlegen. Auch die Verfechter der Paleo-Diät wissen nicht wirklich, was der Mensch in der Steinzeit gegessen hat. Sicher hat er keinen Kaffee getrunken, aber es hat der Evolution des Menschen auch nicht geschadet, dass er irgendwann damit begonnen hat, Kaffee zu trinken.

Mehr von Dr. Malte Rubach lesen Sie u.a. in seinem neuesten Buch „Kaffee-Apotheke“ sowie in weiteren Artikeln in unserem Magazin!

Fotos: – © Thomas Bethge ,fotolia – © deagreez ,fotolia – © astrosystem

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