Kaffee trinken und Buch
16.02.2019

Interview mit dem Kaffee-Experten Dr. Malte Rubach

Zur Veröffentlichung seines neuen Titels "Kaffee-Apotheke" sprechen wir mit dem Ernährungsexperten, Autor und roastmarket-Kolumnisten

Zum Thema Kaffee hat jeder seine eigene Meinung. Egal ob Herstellung, Zubereitung, Geschmack oder gesundheitliche Aspekte – in zahlreichen Foren, Büchern, Blogs und Magazinen finden sich vielfältige Ansichten, welche die gesamte Bandbreite von positiver bis negativer Einschätzung des Heißgetränks darlegen. Auf eine wissenschaftlich fundierte – und gleichzeitig unterhaltsame wie realitätsnahe – Betrachtung von Ernährung und nicht zuletzt Kaffeekonsum fokussiert sich Dr. Malte Rubach in seinen interessanten Büchern und bereichert mit seiner Kolumne auch das roastmarket-Magazin. Über sein jüngst erschienenes Buch “Kaffee-Apotheke” spricht er nun mit uns im Interview.

roastmarket: Lieber Malte, für alle Leser, die Dich vielleicht doch noch nicht kennen sollten: Stelle Dich doch bitte einmal vor und verrate uns zunächst, woher eigentlich die Faszination für Kaffee rührt?

Dr. Malte Rubach: Also ich bin Ernährungswissenschaftler und bin eher über einen Zufall zum Thema Kaffee gekommen. Ich hatte einfach ein spannendes Thema für meine Doktorarbeit gesucht und voilà: Was macht Kaffee eigentlich mit unserem Magen? Damals habe ich überhaupt keinen Kaffee getrunken bis ich meine Frau kennengelernt habe. Die ist Brasilianerin und Brasilien ohne Kaffee geht gar nicht. Als ich dort meinen ersten richtigen Kaffee probiert hatte, habe ich dann die nötige Praxis bekommen…

roastmarket: Als Ernährungswissenschaftler hast Du natürlich viele etliche weitere Themen auf dem Schirm, wie man zum Beispiel an Deinen Büchern wie „Plädoyer für die Milch“ oder „Die Ich-Ernährung“ nachlesen kann. Ehe wir uns also konkret dem Kaffee widmen, wollen wir den Expertenrat nutzen: Was ist Dein ultimativer Tipp in Sachen Ernährung, wenn es ihn denn gibt?

Kaffee servieren in KaffeetasseDr. Malte Rubach: Mein Tipp: Traue keinem Expertenrat. Auf dem Buch- und Ratgebermarkt schreiben jede Menge Leute ohne einen Funken Ahnung, selbst wenn sie einen Doktortitel haben. Manchmal verbirgt sich dahinter ein Doktor der Psychologie oder Biologie oder sogar Ärzte, die schreiben, man soll die Finger von diesem und jenem lassen und dann wird man sofort wieder gesund. Milch und Kaffee sind da ja auch oft dabei, wenn mal schnell Schuldige gesucht werden. Deshalb mein zweiter Tipp: Traue nur Experten bei Ernährungsfragen, die auch was mit Ernährung studiert haben oder eine Ausbildung wie Diätassistent hinter sich haben. „Ernährungsberater“ ist übrigens kein geschützter Berufsbegriff, so darf sich jeder nennen und dann mit vorgetäuschter Kompetenz Unsinn verbreiten.

roastmarket: Nun ist zu Beginn des Jahres Dein neuestes Werk „Kaffee-Apotheke“ erschienen. Erzähl uns doch ein bisschen darüber. Wie kam es zur Entscheidung, ein weiteres Kaffee-Buch zu publizieren?

Dr. Malte Rubach: Ich will faktenbasiert über den aktuellen Stand der Wissenschaft informieren, damit die Menschen aus der „Verbots-Tretmühle“ rauskommen. Kaffee ist da wie gesagt ein dankbares Thema. Erstens, weil er gerne auf der Abschussliste von Heilpraktikern und manchen Ärzten steht und zweitens, weil die Studienlage so eindeutig ist, dass man es schon absichtlich ignorieren müsste: Kaffee ist gesund!

roastmarket: Woher hast Du die Informationen für Dein Buch? Wird aktuell viel in dem Bereich geforscht?

Dr. Malte Rubach: Ja, das ist so. Es kommen jedes Jahr mehrere Arbeiten raus, weil in den letzten 20 Jahren zahlreiche Riesenstudien durchgeführt wurden, mit Zehntausenden und Hunderttausenden Teilnehmern. Dabei wird beobachtet, was die Menschen essen, ob sie krank werden und natürlich auch wie viele in der Zeit sterben, das passiert natürlich auch. Dann wird ausgewertet: Sind jene häufiger oder seltener betroffen, die bestimmte Lebensmittel komplett vermeiden oder eher diejenigen, die besonders viel davon essen. Daraus ergibt sich ein gesamtes Bild, das im Fall des Kaffees immer wieder positiv ausfiel.

Kaffee schütten

roastmarket: Dein Titel „Kaffee-Apotheke“ klingt ja äußerst vielversprechend und positiv. Die landläufige Meinung über Kaffee scheint aktuell noch eher in eine andere Richtung zu gehen. Woran liegt dies Deiner Meinung nach? Was sind Gründe für das weniger gute Image des Kaffees in Sachen Gesundheit?

Dr. Malte Rubach: Ja, da hast Du Recht, aber immerhin knapp die Hälfte der Deutschen denkt laut Kaffeereport, dass Kaffee eher gesundheitsförderlich ist, etwa zehn Prozent ist vom Gegenteil überzeugt, der Rest ist verunsichert. Mein Buch soll die Skeptiker vom Gegenteil überzeugen, die Verunsicherten versichern und die bereits Überzeugten bestätigen. Für jeden ist also etwas dabei (lacht).

roastmarket: Glaubst Du, dass sich dieses Bild vom Kaffee mittelfristig weiter wandeln wird? Warum?

Dr. Malte Rubach: Nein, dafür gibt es einfach zu viele Mythen, die sich aufrechterhalten. Sei es das Märchen vom Säure-Base-Haushalt, der von Kaffee übersäuert wird. Sei es wegen brüchigen Knochen, schlechter Haut oder sonst etwas. Es wird sich immer jemand finden, der das in seinem YouTube-Kanal oder Blog oder sonst wie mal eben in den Raum stellt und schwuppdiwupp, die Menschen sind wieder verunsichert.

roastmarket: In Deinem Buch widmest Du Dich unter anderem einigen der Hauptinhaltsstoffe des Kaffees. Welche sind Deiner Meinung nach die spannendsten und wie können sie sich auf unsere Gesundheit auswirken?

Dr. Malte Rubach: Koffein ist mit Sicherheit der am besten erforschte Inhaltsstoff. Die Chlorogensäuren waren ja früher beim berühmten „Schonkaffee“ als die Übeltäter verdächtigt, die den Magen reizen. Inzwischen sind sie rehabilitiert und als wirksame Antioxidantien geschätzt. Aber die schwarzen Farbpigmente des Kaffees, die Melanoidine, sind sehr interessant und noch nicht so weit erforscht. Sie machen immerhin ein Viertel des Kaffeegetränks aus und haben ebenfalls eine antioxidative Wirkung.

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roastmarket: Besonders interessant ist auch der Kaffee-Konfigurator in Deinem Buch, nach welchen Kriterien bist Du hier vorgegangen?

Dr. Malte Rubach: Oh ja, das stimmt. Ich habe mir gedacht, was nützt es dem Leser, wenn er all die spannenden Hintergründe der kleinen Bohne kennt, aber beim nächsten Besuch im Café nicht weiß, welchen Kaffee er nun bestellen soll. Dazu habe ich dann einfach um die 40 Kaffeezubereitungen, die man auf der ganzen Welt findet, nach der Stärke durchsortiert. Das ist eigentlich ziemlich logisch, weil je nach Zubereitung mit mehr oder weniger Milch oder Wasser bzw. Pulver die Konzentration der Inhaltsstoffe schlicht verdünnt oder aufkonzentriert wird. So kann jeder nach Verträglichkeit und Vorliebe den optimalen Kaffee für sich finden. Ich verrate mal soviel: Der stärkste Kaffee, den ich gefunden habe, war der Black Eye: ein starker Filterkaffee in den noch zwei oder drei Espressi gekippt werden.

roastmarket: Für wen ist Dein Buch geeignet? Muss ich Ernährungswissenschaftler und Experte sein, um zu verstehen, wovon Du sprichst?

Dr. Malte Rubach: Auf keinen Fall, es ist kein Fachbuch, sondern Popular Science.

roastmarket: Das Buch ist gerade erschienen, geht es für Dich jetzt auf Lesereise?

Dr. Malte Rubach: Ja, die Nachfrage für Lesungen ist zum Glück erfreulich! Und auf der Leipziger Buchmesse wird am 22. März auch eine Buchvorstellung am Abend stattfinden und am Mittag ein Talk am Verlagsstand. Die Messe ist öffentlich, also kann gerne jeder vorbeikommen.

roastmarket: Sicher hast Du längst schon wieder viele neue spannende Themen vor Auge. Welches Thema steht für Dich als nächstes an? Gibt es bereits neue Fragen, die Dich zurzeit besonders reizen?

Dr. Malte Rubach: Themen gibt es sehr viele, aber nicht jedes eignet sich für ein neues Buch. Ich schaue immer selber, was es für Trends gibt und stelle dann ein paar Exposés bei den Verlagen vor. Also, lass dich überraschen und bis dahin viel Kaffee trinken (lacht).

roastmarket: Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt und freuen uns schon auf die nächsten Titel. Jetzt aber gehen wir natürlich erst einmal in die Kaffee-Apotheke. Vielen Dank für Deine Zeit Malte.


Wenn auch Sie die Welt des Kaffees genauer entdecken möchten, lassen Sie sich seine lesenswerte „Kaffee-Apotheke“ (hier geht es zur Leseprobe) nicht entgehen. Mehr von Dr. Malte Rubach lesen Sie außerdem in weiteren Artikeln in unserem Magazin!

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