Dampfende Tasse Kaffee
05.05.2020

Interview mit Arne Preuß von Coffeeness zum Koffeingehalt verschiedener Kaffeespezialitäten

Arne Preuß ist Gründer von Coffeeness, einem der größten Kaffeeblogs in Deutschland. Er war genervt davon, dass jeder vom Koffeingehalt verschiedener Kaffeegetränke spricht, aber keiner sicher weiß, wie viel denn nun drin steckt. Mit Unterstützung der Flying Roasters aus Berlin hat Arne 15 Kaffeespezialitäten auf den Zahn gefühlt und sie einem Koffein-Test unterzogen. Mit roastmarket spricht er über den Test und die zum Teil überraschenden Ergebnisse.

roastmarket: Wie bist du darauf gekommen, den Koffeinwert verschiedener Kaffeespezialitäten im Labor untersuchen zu lassen?

Arne: Es hat mich genervt, dass es in Sachen Koffeingehalt im Kaffee immer nur ungefähre Näherungswerte gibt, die alle Blogs oder Medien voneinander abschreiben. Diese Falschinformationen sorgen dafür, dass um Koffein heftig diskutiert wird – Thema „Gesundheitsbedenken“ oder „Gesundheitseffekte“ usw. Das schürt Hysterien, die ich für völlig fehl am Platz halte. Mit im Labor ermittelten Koffein-Werten wollte ich eine nüchterne Diskussionsgrundlage schaffen.

Schwarzer Kaffee in Kaffeekanne

roastmarket: Kann man die Ergebnisse verallgemeinern?

Arne: Kommt darauf an, aus welcher Perspektive. Kaffee ist ein Naturprodukt, dessen Zusammensetzung immer schwankt. Darum sollte niemand den Koffeingehalt unserer Testbohnen als Maßstab für eigene Berechnungen heranziehen. Der prozentuale Gehalt in jeder Zubereitungsmethode, der maximale Extraktionsgrad und natürlich die „Hitlisten“ lassen sich allerdings hervorragend vergleichen. Schließlich ist ein Ristretto immer etwas anderes als ein Filterkaffee.

roastmarket: Wie hast du die Kaffeespezialitäten für den Test ausgewählt?

Arne: Ich habe ein und dieselbe Bohnenmarge auf 15 verschiedene Arten zubereitet. Dabei habe ich praktisch alle gängigen Varianten durchgespielt – vom Filterkaffee über die Aeropress bis zum klassischen Siebträger-Espresso. Nur außergewöhnliche Apparate wie den Syphon habe ich mir gespart. Mir ging es darum, Kaffeegetränke zu testen, die jeder machen kann.

roastmarket: Wie trinkst du privat deinen Kaffee eigentlich am liebsten?

Arne: Schwarz und aus dem Handfilter. Einen kompakten Espresso aus einer hochwertigen Siebträgermaschine liebe ich auch. Hauptsache ist, dass ich den besonderen Charakter jeder Kaffeebohne ungeschminkt erleben kann.

roastmarket: Warum habt ihr als Vollautomaten ausgerechnet den Tchibo Esperto Caffè verwendet?

Arne: Das war eine rein logistische Entscheidung: Ich hatte den Tchibo Esperto Caffè sowieso gerade als Testgerät gekauft und ihn deswegen für den Koffein-Test genutzt. Für Coffeeness machen wir so viele Dinge gleichzeitig, dass wir in solchen Fällen den Weg des geringsten Widerstands gehen. Es hätte genauso gut ein Melitta- oder ein DeLonghi-Gerät werden können.

roastmarket: Du sprichst in deinem Artikel von „eingeschränkt[en]” Angaben des Geräts. Was genau bedeutet das?

Arne: Auch wenn ein Vollautomat gern so tut, als hätte der Nutzer Einfluss auf den Brühvorgang, ist er doch eine Blackbox. Je nach Kaffeebohne, Mahlwerk, Bauweise etc. ändert sich zum Beispiel der Druck, mit dem das Wasser durch das Kaffeemehl gepresst wird. Schreiben die Hersteller 15 Bar auf ihren Karton, sagt das nichts über die tatsächliche Leistung aus – zumal es für einen Espresso sowieso nur 9 Bar braucht. Deshalb käme ich auch nie auf die Idee, „Standards“ (im Sinne von Brühzeit etc.) für einen Kaffee aus dem Vollautomaten anzugeben.

roastmarket: Wäre ein anderes Gerät für den Test womöglich passender gewesen?

Arne: Vielleicht, vielleicht auch nicht. Der Tchibo Esperto Caffè ist ein stinknormales Gerät ohne große Sonderfunktionen. Er bildet den Durchschnitt der Automatenwelt gut ab. Mein Koffein-Test war nicht dazu da, die Maschine zu widerlegen oder mich mit den Feinheiten der Kaffeezubereitung im Vollautomaten auseinander zu setzen. Ich brauchte einfach einen exemplarischen KVA-Espresso und Kaffee für die Probe.

Kaffeebohnen

roastmarket: Zur vielleicht spannendsten Frage: Hat dich das Testergebnis überrascht?

Arne: Teilweise. Dass ein Ristretto prozentual das meiste Koffein hat, war vorhersehbar. Dass ein KVA-Kaffee den geringsten Gehalt hat, irgendwie auch. Es hat nur meine Meinung bestätigt,dass man sich lieber einen Americano zubereiten sollte, wenn man „Käffchen“ aus dem Vollautomaten will. Spannend fand ich, wie sich die Rangfolge verschoben hat, als wir die übliche Trinkmenge als Maßstab angelegt haben. Cold Brew und Cold Drip wirken zwar nicht so mächtig, aber mit einem Glas haut man sich eine ordentliche Portion Koffein rein.

roastmarket: Verändern die Ergebnisse deinen Kaffeegenuss?

Arne: Warum sollten sie? Ich habe Kaffee noch nie aus Koffeingründen oder wegen irgendwelchen Gesundheitsaspekten getrunken. Ich finde es aber wichtig, den Leuten da draußen klar vor Augen zu führen, was sie in welcher Form zu sich nehmen. Was sie mit diesen Erkenntnissen machen, ist allerdings ihre Sache. Mein Auftrag ist nur die Aufklärung über guten Kaffee.

roastmarket: Lieber Arne, vielen Dank für Deine Studie und das spannende Gespräch!

Mit seinem Koffein-Test hat Arne Preuß klare Fakten geschaffen. Den vollständigen Test mit allen Zahlen finden Sie hier. Wir bedanken uns recht herzlich bei Arne für das interessante Interview!
Hinweis der Redaktion: Die getätigten Aussagen stammen nicht von roastmarket, sondern allein vom Autor.

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