Kaffee während Detox
26.06.2019

Dr. Malte Rubach: Mit Kaffee entgiften – geht das überhaupt?

Wer hat noch niemanden im persönlichen Umfeld gehabt, der oder die gerade mal eine „Detox-Kur“ ausprobiert oder schon immer mal ausprobieren wollte? Falls nicht, dann reicht vermutlich auch ein Gang in den Bahnhofskiosk, um zu sehen, dass sich unzählige Zeitschriften und Bücher dem Thema „Entgiftung“ in aller Ausführlichkeit widmen. Doch bedeutet Detox eigentlich auch zwingend den Verzicht auf Kaffee und Koffein? Ernährungsexperte Dr. Malte Rubach klärt auf.

Kaffee während Detox: Funktioniert es?

Im Prinzip ist das Ganze eine gute Sache, denn tatsächlich schwemmt unser Körper umso besser Stoffwechselprodukte, Umweltchemikalien und Sonstiges aus der Gefahrenzone, bevor es eine schädliche Dosis erreichen kann. Schließlich macht am Ende die Dosis das Gift, an diesem Grundsatz wird sich so schnell nichts ändern.

„Aber Detox und Kaffee, wie passt das denn zusammen?“ mag sich nun der ein oder andere fragen. Schließlich wird ja Land auf und ab auch gerne mal vom Kaffeetrinken abgeraten, wenn mal wieder Fastenzeit oder Detox-Kur anstehen. Nun ja, grundsätzlich ist es natürlich nie verkehrt, auch mal eine Zeit lang auf die geliebten Gewohnheiten zu verzichten, um anschließend ihren Wert wieder von Neuem zu entdecken.

Doch gerade beim Fasten und Detoxen ist ja insbesondere das Trinken immer ein unschätzbar wichtiger Bestandteil und unbedingt zu empfehlen, alleine des Überlebens Willen. Natürlich aber sollen es dann bestenfalls nur Kräutertees, Schorlen oder maximal ein Glas Gemüsesaft sein, um die Entgiftungsprozesse so richtig zu unterstützen. Ein Blick ins Lehrbuch der Physiologie brächte bereits etwas Aufklärung, denn uns Menschen gibt es ja nicht erst seit gestern.
Tasse heißer Tee

Wie wir uns selbst entgiften

Unser Körper ist seit Jahrmillionen darauf spezialisiert, von ganz allein zu entgiften. Die Schöpfung oder wahlweise Evolution hat dafür eigens die Leber und die Niere erfunden. Die beiden arbeiten bei ansonsten gutem Gesundheitszustand einwandfrei zusammen: Die Leber wandelt Stoffe, die unser Körper weniger gut verträgt oder braucht, in eine wasserlösliche Form um und die Niere filtert sie dann aus dem Blut heraus und so landet alles Unerwünschte im Urin und verlässt auf diesem Wege schließlich wieder den Körper. Die Leber besitzt dazu spezielle Enzyme, so genannte Cytochrome. Eines davon, es wird CYP1A2 genannt (und stammt nicht etwa aus der Star Wars-Reihe), ist auch in der Lage, Koffein umzuformen.

Umzuformen heißt in diesem Falle, es so zu verstoffwechseln, dass es wieder ausgeschieden werden kann. Dazu werden fix einige funktionelle Gruppen an das Koffeinmolekül angehangen, die dessen Wasserlöslichkeit stark erhöhen. Und jetzt wird es interessant: Dieses Enzym kann nicht nur Koffein umwandeln, sondern auch bestimmte krebserregende Substanzen, aber auch Medikamente. Bei Ersteren wollen wir natürlich, dass sie unseren Körper verlassen, bei Letzteren eher nicht, schließlich sollen sie dabei helfen, Krankheiten zu heilen.

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High or low Koffein: Was bist Du?

Durch die Millionen Jahre der Evolution weist nun jeder Mensch eine etwas unterschiedliche Aktivität eben dieses Enzyms auf, was wiederum auf eine winzig kleine und völlig ungefährliche Mutation zurückzuführen ist. Wer aber Kaffee trinkt und davon ewig wach bleibt, der kann davon ausgehen, dass die Aktivität bei ihm eher etwas zurückgefahren ist und somit Koffein länger wirksam bleibt als bei einem Menschen, der eine hohe Aktivität dieses Enzyms aufweist. So erklärt sich also schon einmal die von Mensch zu Mensch unterschiedliche Reaktion auf Koffein.
Doch bewirkt Koffein auch noch etwas anderes. Das besagte Enzym muss generell immer erst einmal angestoßen werden, bevor es anfängt zu arbeiten. Es ist ein wenig träge. Da wir glücklicherweise nicht permanent von krebserregenden Substanzen und hoffentlich auch nicht von Medikamenten durchströmt werden, die ja ebenfalls zu einer Aktivierung des CYP1A2 (das besagte Star Wars-Enzym) und damit ihrem eigenen Ende beitragen, kann Kaffee samt Koffein eine Art Sicherheitsfunktion übernehmen.

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Durch die tägliche Tasse Kaffee bleibt das Enzym in gewisser Weise „eingeschaltet“ und somit können andere Fremdstoffe auch schneller abgebaut werden, wenn sie denn einmal auftauchen. Umgekehrt sollte man bei Einnahme von Medikamenten auch mal zeitweise auf koffeinhaltigen Kaffee verzichten oder diesen zumindest nicht in einem Zug mit dem Medikament zu sich nehmen, um die Wirkung nicht zu vermindern.

Und wenn wir schon von „Detox“ sprechen: Koffein stimuliert auch die Nierenfunktion zur Wasserausscheidung. Das bedeutet also, dass Leber und Niere mit Kaffee einen guten Job machen können und vor einem Flüssigkeitsmangel braucht auch niemand Angst zu haben. Schließlich führt man mit jeder Tasse Kaffee bereits Flüssigkeit zu und über den Tag verteilt empfiehlt es sich, auch noch andere kalorienfreie Getränke zu trinken, denn eines ist klar: Wasser ist immer noch das beste Detox-Mittel überhaupt!

Mehr von Dr. Malte Rubach lesen Sie u.a. in seinem neuesten Buch „Kaffee-Apotheke“ (hier geht es zur Leseprobe) sowie in weiteren Artikeln in unserem Magazin!

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