Leben Kaffeetrinker in Großbritannien länger?

Kaffee britischMitte des Jahres war eine Studie in der Fachzeitschrift Jama Internal Medicine erschienen, die auf einer Auswertung der Gesundheitsdaten von rund 500.000 Briten basierte. Dabei fand besonders eines der Ergebnisse auch über die britischen Grenzen hinaus größere Beachtung und zwar das Folgende: Briten, die Kaffee trinken, weisen im Schnitt ein um 8 Prozent geringeres Risiko auf, in den kommenden Jahren von dieser Welt zu gehen als Briten, die keinen Kaffee trinken. Wie bitte? Ja, tatsächlich. Wenn die Wissenschaftler genauer hinschauten, dann wurde deutlich, dass dieser Zusammenhang noch stärker bei den Menschen ausgeprägt war, die zwischen drei bis acht Tassen täglich tranken. Deren Sterberisiko lag sogar um 12 bis 16 Prozent unter dem Vergleichswert.
Wie immer sind diese Ergebnisse mit etwas Vorsicht zu genießen, genauso wie heißer Kaffee. Erstmal zurücklehnen und Zeit nehmen. Studien können immer nur einen Teil des realen Lebens untersuchen und deshalb darf wohl niemand erwarten, durch Kaffeetrinken dem Heiligen Gral des ewigen Lebens auf die Spur gekommen zu sein. Was die Forscher aber einfach feststellen konnten, ist, dass in dem Untersuchungszeitraum von jenen Briten mit mindestens drei Tassen Kaffee am Tag im Durchschnitt einer weniger verstorben war, als bei den Nicht-Kaffeetrinkern. Man mag es kaum glauben, aber das beliebteste Getränk in Großbritannien ist auch nach dieser Nachricht nicht Kaffee, sondern noch immer der Tee. Ist Kaffee nun aber besser als Tee oder andersherum? Diese Frage werden wir am Ende hoffentlich zufriedenstellend beantworten können. Aber zuerst werfen wir jetzt noch einen Blick auf Japan und damit das Land mit der weltweit höchsten Lebenserwartung!

Japaner trinken gerne guten Kaffee

Zwei unterschiedliche CappuccinosManchmal ist es gut, selber vor Ort gewesen zu sein, ehe das nächste Gerücht über die hohe Lebenserwartung in Japan die Runde macht. Was wurde nicht schon als Heilsbringer zum ewigen Leben auserkoren: Soja, wegen der Phytoöstrogene. Fisch, weil die Japaner so viel davon essen. Die lila Süßkartoffel, weil…sie lila ist? Das sind nur ein paar der Geschichten, warum Japaner länger leben sollen. Nachdem ich dort war, kann ich sagen, es stimmt. Es stimmt, dass Japaner gerne ein paar gebackene Sojabohnen essen und Tofu sowieso, und auch die lila Süßkartoffel liegt in jeder Bento-Box und Fisch gibt es nahezu täglich. Aber sie essen auch, wer hätte es geglaubt, jede Menge weißen Reis und Nudeln, von Low Carb hat dort wohl noch niemand etwas gehört? Und dann auch noch Fleisch. Richtig schön fett vom Rind und auch gerne vom Schwein. Hühnerfleisch ebenso. Also keine Spur von einseitigen Ernährungstrends, sondern von allem etwas, natürlich auch viel Gemüse, ob fermentiert oder nicht. Selbst auf Okinawa, wo die Menschen auch innerhalb Japans noch ein bisschen älter werden als auf den Hauptinseln, kann man entgegen aller Mythen kein Superfood ausmachen, das dort für ewiges Leben sorgen könnte. In der Statistik der japanischen Gesundheitsbehörden sind die Männer dort mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 24,3 auf Platz 3 der „dicksten Japaner“ und die Frauen mit einem BMI von 23,9 sogar auf Platz 1 – vermutlich nicht unbedingt der erste Platz, den man sich aussuchen würde! Einmal davon abgesehen, dass solche Werte immer noch sehr gut im Vergleich zu uns Deutschen und den Briten aussehen, schließlich zählen wir gemeinsam zu den dicksten Europäern mit einem Durchschnitts-BMI von deutlich über 25 (ab 25 aufwärts ist offiziell die Grenze erreicht, ab der man von Übergewicht spricht) und damit den meisten Übergewichten und Adipösen.

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Wo also liegt nun der Schlüssel zum langen Leben? Vielleicht im Gemüse? Fehlanzeige. Die Okinawa-Bewohner liegen auf dem elft- und drittletzten Platz (11. Und 3.?) von 47 Präfekturen in Japan, was den Gemüsekonsum angeht. Man könnte noch sagen, dass sie bei Bewegung ein gutes Mittelfeld belegen und am wenigsten Salz von allen Japanern essen. Aber reicht das allein als Erklärung? Nein, natürlich nicht. Es liegt wohl eher an der Kultur des „WASHOKU“ – die traditionelle japanische Esskultur. Es geht darum, die Dinge wertzuschätzen und beim Essen gilt das für so ziemlich alles, was auf den Tisch kommt. Zugegeben, auch diese Tradition ist in Japan auf dem Rückzug, weil die jungen Generationen die Vorteile von Convenience-Food und Food-Delivery nutzen wollen, statt morgens eine aufwendige Bento-Box zu bestücken.

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Aber es gibt eine Ausnahme: Kaffee. Es gibt wohl kaum ein Land auf der Erde, wo es sogar in der Café-Bar des Hostels, wo wir während unserer M.R.EXPERT-Recherche abstiegen, Single-Origin Kaffee aus Äthiopien oder Kenia gab, Nitro-Coffee oder Cold-Brew und Cold-Drip. Einfach so und nicht einmal besonders teuer. Nicht ohne Grund ist Japan der erste Markt außerhalb der USA, wo sich die 2017 von Nestlé für 500 Mio. Dollar aufgekaufte Premium Kaffee-Kette „Blue Bottle“ bereits mit mehreren Filialen in Tokio, Kyoto und Kobe ausgebreitet hat. Warum? Japaner lieben guten Kaffee. Frei nach WASHOKU eben. Auch wenn der Pro-Kopf Konsum laut „Kaffee in Zahlen 2018“ in Japan mit 3,3 Kilogramm hinter Deutschland (5,5), aber vor den Briten (2,8) liegt, so scheint es dort vor allem um den puren Genuss zu gehen. Weit vorne liegen übrigens die Finnen mit 12 Kilogramm pro Kopf, gefolgt von Norwegen mit 9,9 Kilogramm. Heißt das nun: Kaffeetrinken kann jeder, aber Genuss muss man lernen? Und trinken die Japaner nicht auch viel Tee, aber die Briten ja auch?

Kaffee oder Tee und warum der Genuss zählt

Kaffee WanduhrAlso kommen wir zurück zur Ausgangsfrage. Leben Kaffeetrinker länger? Oder vielleicht doch Teetrinker? Weder noch. Es ist zwar unbestritten, dass sowohl Kaffee (dazu erscheint übrigens mein neues Buch „Die Kaffee-Apotheke“ im Februar 2019) als auch Tee sich positiv auf die Gesundheit auswirken können, aber nur vom Kaffee- oder Tee-Trinken alleine wird wohl niemand älter als es Mutter Natur und unser gepflegter Lebensstil vorgesehen haben. Um alle Zweifel auszuräumen, hier die Fakten: Briten, Deutsche, Japaner und auch die Rekord-Kaffeetrinker aus Finnland und Norwegen, haben allesamt das Glück, in Ländern mit einem vergleichsweise guten Gesundheitssystem zu leben. Das ist wichtig für unsere Betrachtung, weil mögliche Ursachen für eine unterschiedlich hohe Lebenserwartung dann schon einmal nicht bei fehlenden Ärzten und Therapien zu suchen sind. Wir können uns ganz auf Kaffee oder Tee konzentrieren. Die Welt- und Vizeweltmeister des Kaffeekonsums Finnland und Norwegen verbrauchten laut 2014 (FAO) gerade mal 0,22 Kilogramm Tee pro Kopf und Jahr. In Deutschland ist es mit 0,23 Kilogramm etwas mehr. Und Japan kommt auf etwa 1 Kilogramm. Fast dreimal so viel wurde im Vereinigten Königreich verbraucht: 2,8 Kilogramm, das damit auf Platz 5 der Tee-Weltrangliste lag. Die Lebenserwartung liegt im Vereinigten Königreich dagegen „nur“ bei 81,2 Jahren, in Deutschland bei 81,3 Jahren, in Finnland und Norwegen bei 82,1 beziehungsweise 82,4 Jahren. In Japan sind es 84,2 Jahre. Ähnlich alt werden nur die Menschen in Singapur, und die trinken weniger Tee als die Japaner (0,62 Kilogramm) und in der Kaffeestatistik tauchen sie erst gar nicht auf, weil sie ihn kaum konsumieren.


Es liegt also auf der Hand: Kaffeetrinker leben nicht automatisch länger und Teetrinker sowieso nicht. Viel wichtiger erscheint die Art, wie wir generell konsumieren, am besten mit Zeit zum Genießen. Für Kaffee gilt jedoch auch, dass Kaffeetrinker an vielen Erkrankungen seltener leiden als Nicht-Kaffeetrinker.

Mehr von Dr. Malte Rubach lesen Sie u.a. in seinem neuesten Buch „Kaffee-Apotheke“ (hier geht es zur Leseprobe) sowie in weiteren Artikeln in unserem Magazin!

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Ernährungsexperte

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